TRAUER UM DAS GELIEBTE TIER

Wie lange darf ich trauern?

Vor einiger Zeit habe ich mich hingesetzt und an einem Artikel weiter gearbeitet. Es ging um eines meiner vorausgegangenen Kaninchen. Um Bino. Bino war ein kleiner weißer „Hase“ (nicht wirklich Hase, sondern natürlich Kaninchen), der mein Herz gestohlen hat. Er sollte ursprünglich nie bleiben (zog als Pflegetier ein), blieb aber dann doch für einige Jahre und verließ mich so plötzlich und das an einem Tag, der eigentlich ganz anders „geplant“ war. Doch was plant man schon? Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Als ich für den Artikel seine Geschichte vollendet, die Fotos angesehen und alles nochmal durchgelesen habe, liefen mir die Tränen. Es war plötzlich alles so nah und das obwohl es bereits 5 Jahre zurückliegt. Ich dachte immer, ich hätte alles so gut verarbeitet. Ich, die ja doch sehr viel in Sachen Sterben und Trauer liest, ja sogar aufsaugt wie einen Schwamm. Das war wohl Fehlanzeige und so habe ich mich an die Aufarbeitung meiner „Bino-Geschichte“ gemacht und dabei festgestellt, dass ich vermutlich seinen plötzlichen, unvorbereiteten Tod aufgrund eines anderen Ereignisses in eine völlig andere Ecke geschoben habe und so nie wirkliche Trauerarbeit geleistet habe.

TRAUERARBEIT – MUSS DAS SEIN?

 

Natürlich wäre es wunderbar, wenn man ein unschönes Erlebnis zuklappen könnte, wie ein schlechtes Buch und zurück ins Regal stellt. Es bleibt da stehen, staubt ein und man vergisst, dass man es in Händen hielt. Doch Erlebnisse gerade mit sehr liebgewonnenen Tieren (und Menschen) sind nunmal keine „Sachen“, auch wenn Tiere in der Gesetzgebung noch immer als Gegenstand betitelt werden. Sie haben unser Herz gestohlen. Wir haben Zeit mit ihnen verbracht, ihnen Liebe geschenkt und zurück erhalten. Wir blicken auf eine gemeinsame Zeit zurück.

 

Trauer muss sein, durchlebt jedoch jeder anders. Es gibt Menschen, die in einen solch tiefen Seegang geraten, dass man sich um sie selbst große Sorgen macht. Der Wunsch wieder mit dem „verlorenen Tier“ vereint zu sein, ist verständlich. Trauerarbeit ist vergleichbar mit einer Fahrt auf der Achterbahn oder einem Wellenritt. Man fühlt sich mal relativ stabil, hat das Gefühl es wird nun langsam alles besser und vielleicht geht es auch gerade aufwärts. Doch dann kommt eine Situation, ein Gedanke, eine Erinnerung und zack man fällt wieder tief hinab und es scheint so, als wäre alles noch unglaublich frisch.

 

Für diese Phasen gibt es im übrigen keine vorgegebene Zeit. Jeder Mensch trauert anders und jeder braucht mehr oder weniger Zeit. Wichtig ist aber, dass man sich diese Zeit nimmt. Es gibt verschiedene Trauerphasen. Die bekanntesten sind nach Elisabeth Kübler-Ross und Verena Kast:

I. Verdrängung

Im Schockzustand können wir erst einmal nicht fassen, was passiert ist. Ganz gleich ob man sich z.B. bei einem sehr alten oder sehr kranken Tier darauf vorbereiten konnte. Man möchte, kann es nicht wahrhaben.

II. Wut und Auflehnung

Habe ich wirklich alle Maßnahmen ergriffen? Hätte man nicht doch noch etwas tun können, anders machen können, um dem Leben mehr Tage zu geben? In der zweiten Trauerphase versucht man es zu analysieren und ggf. auch Fehler bei anderen zu finden. Meist stößt man im Austausch mit Dritten diese auch vor den Kopf, was für Außenstehende oft sehr schwer zu verstehen ist.

III. Depression

In der dritten Trauerphase kommt der tiefste Wellenritt. Man erkennt, dass das geliebte Tier nicht wiederkehrt, dass es tot ist und man ohne es weiterleben muss.

IV. Akzeptanz

Zuletzt gelingt nach und nach der Blick nach vorne. Man schafft es langsam, den Verlust anzunehmen, wenngleich natürlich oft noch viele Tränen im Spiel sind. Aber der Prozess des Neubeginns kann langsam in Gang kommen und nach und nach wird es etwas leichter im Alltag.

HILFE DURCH DIE TRAUER

 

Wer für sein Tier intensiv da war, da sein durfte, gerade wenn es ein altes und ggf. schwerkrankes Tier war, hat seine eigenen Bedürfnisse meist weit nach hinten geschoben. Zu wenig Schlaf, zu wenig vernünftige Nahrung (und das in Ruhe), zu wenig frische Luft und sonstigen Ausgleich. Man stellt sich hinten an und das ist völlig in Ordnung und normal. Nach dem Tod des Tieres kommt somit meist der komplette Zusammenbruch. Körper und Geist streiken. Eigentlich wäre es wichtig, wenn man sich schon während einer intensiven Krankenbegleitung mehrmals pro Tag eine kleine bewusste Auszeit nimmt und diese dann wirklich ganz bewusst sich selbst zu widmen. Forscher haben herausgefunden, dass wenige Minuten bewusster Meditation sich wie ein Urlaub auf den Geist auswirken können. Warum also nicht mit etwas Distanz zum „Krankenlager“ die eigenen Sinne für genau so einen kleinen Minutenurlaub öffnen. Und ja: Das ist absolut erlaubt. Denn genau an diesem Punkt meldet sich oft das Teufelchen auf der Schulter, was da flüstert: Da drüben liegt ein Patient und Du hast nichts besseres zu tun, als hier rumzulungern und an Dich zu denken? Kick diesen imaginären Feind von Deiner Schulter! Dein Tier würde so einen Vorwurf niemals verlauten weil Dein Tier genau weiß, wie viel Du leistest.

 

Ich schätze gerade in diesen schwierigen Zeiten und zwar noch während der Patientenbegleitung als Tierhalter, als auch für die spätere Trauerarbeit, die Kombination aus Aromaölen, Bachblüten und Farblicht. Als Bachblüte für Zeiten der Trauer ist Honeysuckle ein wertvoller Begleiter. Dabei spielt keine Rolle ob das Tier noch lebt, man also traurig ist, weil sich vermutlich ein Abschied abzeichnet oder aber das Tier bereits gestorben ist. Edward Bach notierte als Standarddosierung 4 x 4 Tropfen in ein Wasserglas und trinken. Man kann auch direkt aus der Stockbottle die entsprechenden Tropfen aufnehmen und in sehr schwierigen, tiefdunklen Phasen die Anwendung bis zu 6 x täglich wiederholen. Honeysuckle beruhigt den Geist ein wenig, schenkt Trost und Zuversicht. Ich nutze sie selbst seit vielen Jahren, wenn Bedarf ist und empfehle sie meinen Tierhaltern bereits dann, wenn wir ihre Tiere begleiten müssen. Diese Bachblüte ist auch für trauernde Tiere geeignet. In diesem Fall würde ich auf die alkoholfreien Globuli zurückgreifen und den Tieren 3-4 x täglich 3 Globuli ins Futter und Trinken geben.

 

Bei den Aromaölen gefallen mir persönlich Zitrusfrüchte am besten. Sie erinnern mich an Sommer, an Urlaub. Für kleines Geld habe ich mir einen Diffuser besorgt, den ich dann in einem vom Tierpatienten fernen Raum einschalte. Der zarte Geruch nach Zitrone oder Orange schenkt mir immer Energie. Genauso kann man wenige Tropfen hochwertiges Öl aber auch mit etwas Mandelöl oder Olivenöl vermischen und auf die Haut auftragen. So trägt man ein wenig des Aromas bei sich. Für einen ruhigen Schlaf oder als Einschlafhilfe habe ich ein Lavendelöl hergestellt. 10 Tropfen Lavendelöl mit 30 ml Mandelöl in einer Braunglasflasche stehen neben meinem Bett. Wenn der Tag sehr unruhig war und mein Geist einfach nicht zur Ruhe kommen will, füge ich einen kleinen Tropfen in die Handfläche, reibe diese warm, halte mir die Handflächen vor die Nase und atme bewusst ein. Den Rest Öl verteile ich dann auf Handgelenken und Hals. Im Humanbereich werden Aromaöle auch bei der Sterbebegleitung oft sehr bewusst eingesetzt (Buchtipp: Begleitung am Lebensende, freya-Verlag, Peter Germann & Gudrun Zeuge-Germann). Aromaöle bei Tieren wende ich nicht an, auch wenn man dies tun könnte. Gerade bei im Sterben liegenden Tieren bin ich einfach zu unsicher, ob das entsprechende Aroma eher nutzt als schadet. Deshalb wende ich lieber jene Begleitungswege an, bei denen ich mir sicher sein kann keinen Schaden zuzufügen. Zudem sollte man bei Katzen mit ätherischen Ölen generell vorsichtig sein und sich hier von erfahrenen Therapeuten in Sachen Aromaöl-Therapie begleiten lassen.

 

Ebenso wertvoller Begleiter in verschiedenen Situationen ist Farblicht. Um Grundlagen zu erfahren, lies meinen ausführlichen Blogartikel Farblicht für Tiere. Bei der Trauerarbeit, um selbst zu Kräften zu kommen, sind insbesondere Gelb und Rosa angezeigt. Ich empfehle meinen Tierhaltern sich mit geschlossenen Augen unter einen solchen Lichtschein zu setzen. Vielleicht noch per Kopfhörer eine angenehmen, beruhigende Lieblingsmusik, ein Hörbuch oder aber eine Meditation. So kommt bereits ein kleiner Kraft-Tank-Augenblick zustande.

 

Es gibt noch so viel mehr Möglichkeiten bewusst durch die Zeit der Trauer zu gehen. Man kann Tagebuch schreiben. Man kann an einem Erinnerungsalbum arbeiten. Wichtig ist für sich den Weg zu finden, der einem gut tut und der einem hilft, langsam nach Vorne zu blicken und eben wieder die Sonne am Horizont zu erkennen.

Meine Podcast-Folge zu diesem Thema:

WIE LANGE DARF ICH TRAUERN

 

„Jetzt muss aber mal langsam gut sein!“ Mit dieser Aussage schießt man sich bei mir ins absolute Aus. Denn es gibt überhaupt keine Maximaldauer für Trauer. Der eine schafft es innerhalb von wenigen Tagen alles abzuschließen. Andere brauchen Wochen. Wieder andere Monate. Ich selbst habe den Tod meiner Oma über Jahre nicht wirklich abgeschlossen und wie ich zu Beginn notierte, habe ich auch Binos schnelle Abreise nur in eine hinterste Ecke irgendwo in meinem Geist eingesperrt.

 

Trauern braucht Zeit. Nimm sie Dir! Und such Dir für die Begleitung jene Menschen, die Dich hier bestmöglich begleiten. Lass Dich nicht unter Druck setzen, wenn vielleicht jemandem besorgt herausrutscht, dass es doch nun mal langsam an der Zeit sein müsste es abgeschlossen zu haben. Du darfst auch nach Wochen noch weinen. Das ist normal. Du darfst auch nach Monaten noch zum Taschentuch greifen. Es gibt keine Fristen für so etwas.

 

Wenn Du jedoch wieder bewusst am Leben teilnimmst und vielleicht auch einem neuen Tierfreund ein Zuhause geschenkt hast, wirst Du immer mehr merken, wie die Erinnerung – die einst traurig war – plötzlich nicht mehr ganz so weh tut. Vielleicht ploppt ein Moment hoch, bei dem Du herzlich lachen musst, was völlig in Ordnung ist. Ich habe so viele traurige, aber auch so lustige Erinnerungen an meine verstorbenen Kaninchen, bei denen ich mich manchmal noch kringelig lache. Und ganz ehrlich: Danach freue ich mich unglaublich. Einfach weil sie durch das was wir erlebt haben und die Erinnerung an sie, noch immer irgendwo Teil meines Lebens sind. Krümel, mein erstes Kaninchen, ist seit 2006 nicht mehr bei mir. Du glaubst gar nicht, wie oft ich immernoch von ihm spreche und er Teil meiner Beratungsgespräche bei Kaninchenhaltern ist. Keines meiner Vorausgegangenen ist Vergessen. Sie sind Unvergessene und werden noch genauso geliebt, wie eh und je.

Ein schweres Thema – ich weiß. Fühl Dich von Herzen gedrückt, falls durch das Lesen Gefühle hochkommen oder aber Du Dich gerade jetzt in einer Situation befindest, in der Du Dich auf einen möglichen Abschied vorbereiten musst. Du bist nicht alleine!

 

Von Herzen alles Liebe für Dich.

 

 

DIE AUTORIN

 

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin und Ernährungsberaterin (für Hund, Katze und Kaninchen) mit mobiler Praxis. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit mehr als 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin, das heißt ihre Patienten bekommen nur soviel verordnet wie zwingend notwendig ist und das nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, gibt sie dies direkt kund. Mit ihrer Familie und der Katzenseniorin Mischu lebt sie in der Nähe von Düsseldorf.

 

P.S.

 

Wenn Du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

 

P.P.S.

 

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für Dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

 

Hinweis

 

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe – Tierheilpraktikerin

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