STERBEBEGLEITUNG - UNTERLASSENE HILFELEISTUNG?

Berechtigte Gedanken zum natürlichen Sterben des Haustiers

Ist die Sterbebegleitung beim Haustier eine unterlassene Hilfeleistung? Kann man das so salopp sagen? Ich möchte mich bewusst kritisch dem Thema Sterbebegleitung beim Haustier widmen. Denn natürlich habe auch ich mir im Laufe vieler Jahre gewisse Fragen gestellt oder mich gewissen Fragen berechtigt stellen müssen.

WENN DER TOD DIE HEILUNG IST

Das Sterben ist gehört zum Leben dazu und ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Im besten Fall geht – ganz gleich ob Mensch oder Tier – das Lebewesen im hohen Alter gesund und friedlich. Einfach weil seine Lebensuhr abgelaufen ist. Unsere Tiere werden dank fortschrittlicher Medizin immer älter. Doch auch hier haben wir es mittlerweile mit klassischen Zivilisationskrankheiten zu tun. Unsere Tiere können an Krebs erkranken, Demenz bekommen. Sie nach einer Diagnose bestmöglich zu begleiten ist das eine. Was aber, wenn der Tod die Heilung ist? Wenn alle Maßnahmen, medikamentös oder alternativ, nicht den gewünschten Erfolg haben? Wenn man sich mit dem Gedanken anfreunden muss, dass das geliebte Tier sich auf seine letzte große Reise aufmachen wird…..

Wird einem dies bewusst oder durch den Tierarzt bewusst gemacht, steht man an einer Weggabelung. Der eine Weg kann lauten, dass man möglichst zeitnah eine Sterbehilfe durch den Tierarzt wählen muss. Das kommt auf den Zustand an, auf die Schwere der Erkrankung. Aber auch ein stückweit auf den Menschen selbst. Der andere Weg kann vorerst der sein, dass man dem Tier eine gewisse Begleitung zukommen lässt, aber sich von dem Gedanken verabschiedet, dass man ihn heilen kann.

DIE NATÜRLICHE STERBEBEGLEITUNG

Das sanfte, friedvolle Einschlafen ist der Traum eines jeden. Für sich selbst, seine Lieben, sein Haustier. Ich wünsche mir das auch. Aber ich habe seit dem bewussten Zusammenleben mit Tieren und der Begleitung von Menschen mit ihren Tieren durchaus anderes erfahren müssen. Von insgesamt 15 Kaninchen, starben nur 3 selbständig. Eines dieser drei war im Jahre 2007 meine erste bewusste Sterbebegleitung. Kaninchen Leni. Leni wurde über wenige Wochen „weniger“. Der Tierarzt diagnostizierte „nichts“. Es war nichts zu finden und unsere Behandlung schlug nicht an. Wir kämpften, doch wir mussten irgendwann erkennen, dass wir verlieren würden. Leni schlief sehr friedlich Zuhause ein, selbständig, ohne fremde Hilfe. Bis dieser Zeitpunkt jedoch eintrat, dauerte es.

Das Danebenstehen, die Sterbephasen zu begleiten, zu akzeptieren, wenn ein Tier nichts mehr fressen möchte, weil es eben nichts mehr fressen muss, das fühlt sich unglaublich schwer an. Ja, man hat tatsächlich selbst das Gefühl man würde Hilfe unterlassen. Leni wollte den Päppelbrei nicht mehr schlucken, ließ ihn rauslaufen. Sie drehte den Kopf weg. Ich versuchte es wieder und wieder und gab dann nach fast 48 Stunden des immer wieder anbietens auf.

Eine liebe Tierkollegin sagte mir kürzlich: „Sonja, man stirbt nicht, weil man nichts frisst, man frisst nichts, weil man stirbt.“ Und daran muss man sich in diesem Moment erinnern. Dennoch ist es unglaublich schwer den Prozess zu begleiten, dabei zu stehen – Nichts tun!

Man fühlt sich hilflos. Man fühlt sich, als würde man tatsächlich Hilfe unterlassen.

DAS SICHERHEITSNETZ DER EUTHANASIE

Viele Menschen denken, wenn man sich für die Sterbebegleitung entscheidet, würde man sich gegen die Euthanasie richten. Das ist Bullshit! Nur weil ich erstmal in die eine Richtung gegangen bin, kann ich jederzeit zum Telefon greifen und den Tierarzt anrufen. Und genau dieses Sicherheitsnetz finde ich gut und wichtig.

Denn meine Tierhalter wissen: Sterben muss nicht zwingend schön sein. Das ist nicht ein rosaroter Spaziergang mit Glitzer. Sterben kostet Kraft, viele Tränen und die Begleitung eines sich in diesen Phasen befindenden Tieres kann über Wochen gehen. Es gibt Tiere, die sehr pflegeintensiv werden. Das muss man als Tierhalter stemmen. Das Tier jedoch aber nur einzuschläfern, weil es sich vielleicht einnässt oder man ihm den Napf hinhalten muss, damit es was frisst oder trinkt, wäre für mich falsch.

Machen es sich die Menschen hier nicht zu leicht, Sonja? Sind viele was das angeht nicht zu egoistisch? Lassen viel zu schnell erlösen? Diese Fragen habe ich kürzlich ganz ähnlich gestellt bekommen. Sicherlich gibt es einen kleinen prozentualen Anteil, der sehr früh der Euthanasie zustimmt. Aus Schock, aus Angst, weil sie mit einer Diagnose überrumpelt werden. Weil sie gar nicht wissen, dass vielleicht der Tierarzt nach Hause kommen würde. Weil sie sich gar nicht trauen zu fragen, ob der Tierarzt das vielleicht am nächsten Tag erst tun könnte.

MANCHMAL BLEIBT TATSÄCHLICH KEINE ZEIT

Wurde im Rahmen einer OP eine sehr schwerwiegende Diagnose gemacht, erlebe ich sehr häufig Tierhalter, die angerufen werden und denen man eine Euthanasie nahelegt. Gerade diese Menschen sind am Telefon völlig überfahren, obwohl man vielleicht schon mit dem Schlimmsten gerechnet hat. Meist stimmt man aus Vernunft zu. Und im Nachgang kommen Gewissensbisse.

Soll ich diesen Menschen nun einen Vorwurf machen? Ist hier die kritische Frage berechtigt, ob das nicht vielleicht zu früh war? Hätte man das Tier nicht vielleicht aufwachen und danach im Beisein der Tierhalter erlösen lassen sollen? …… Ist die Euthansie zu wählen wirklich egoistisch?

Was, wenn man gerne den natürlichen Weg begleiten würde, doch dann hat das Tier Schmerzen, es leidet. Das Sterben wird zur Qual. Soll man hier zusehen? Ich möchte mir hier kein Urteil erlauben. Aber ich könnte das bei meinen Tieren nicht. Ich musste zusehen, wie sich 2 meiner Tiere quälten. Bei einem meiner Tiere, Kaninchen Paula, konnte ich nicht eingreifen, da kein Tierarzt erreichbar war. Es war der schlimmste Todesfall, den ich je erlebt habe und der sich fest eingebrannt hat. Paula war eine Diva. Sie war schon immer das Kaninchen, das aus jeder Mücke einen Elefanten gemacht hat. Vielleicht war es zu erwarten, dass sie auch das Ableben hochdramatisch „gestaltet“ – sag ich jetzt mal bewusst ironisch. Aber verdient hatte sie es definitiv nicht. Bei Zoora begleitete ich es bestmöglich und setzte mir ein zeitliches Limit. Als das erreicht war, Zoora sich sichtbar quälte, habe ich die Begleitung  in dieser Form beendet und sie zum Tierarzt gebracht. Das war ich ihr schuldig und ich habe diesen Schritt niemals bereut.

Und genau das finde ich wichtig. Dass man dahintersteht. Dass man mit dem Entschluss leben kann.

Kein Tier sollte sich quälen müssen. Aber man muss sich als Tierhalter immer die Frage stellen, wer eigentlich leidet. Leidet tatsächlich das Tier oder „nur“ ich?

MEINE PODCAST-EPISODEN ZUM THEMA STERBEN

DIE SCHWERSTE HERZENTSCHEIDUNG, DER GRÖSSTE LIEBESBEWEIS

Für mich ist sowohl die Entscheidung der Euthanasie, aber auch die Begleitung beim natürlichen Sterben bis zum letzten Atemzug die schwerste Herzentscheidung und der größte Liebesbeweis, den ich meinem Tier geben kann. Der Abschied von meiner 20jährigen Katze Mischu ist/war ein so intensiver Weg, der mich an meine eigenen Grenzen kommen ließ. Ich habe noch nie so viel gehofft und geweint. Ich habe mich schlecht gefühlt, als ich mit der Zwangsernährung aufhörte. Ich fühlte mich wie ein mieser Verräter, der seine Katze im Stich lässt. Blödsinn, denn Mischu nahm nun freiwillig und mit Appetit auf, worauf sie Lust hatte. Zwar wenig, aber wer stirbt, der braucht halt so einiges nicht mehr. „Sie stirbt nicht, weil sie nichts frisst, sie frisst nichts, weil sie stirbt.“

Die Sterbebegleitung kann ein sehr großes Geschenk sein. Ich habe jedenfalls durch viele Seminare, Bücher, Gespräche und Erlebnisse unglaublich viel dazulernen dürfen. Der Tod ist noch immer nicht mein Freund. Das Sterben immernoch hart und einer der schwersten Wege. Mit dem Sicherheitsnetz „Tierarzt“ aber ein Weg, den ich mit meinen Tieren gehe, sie begleite, einfach da bin und ihnen wünsche, dass sie friedlich übertreten dürfen. Und klappt das nicht, bin ich dankbar, dass ich jederzeit zum Telefon greifen kann.

Von Herzen alles Liebe für Dich und Dein Tier.

 

 

DIE AUTORIN

 

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin und Ernährungsberaterin (für Hund, Katze und Kaninchen) mit mobiler Praxis. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit mehr als 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin, das heißt ihre Patienten bekommen nur soviel verordnet wie zwingend notwendig ist und das nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, gibt sie dies direkt kund. Mit ihrer Familie und dem Hunde“kind“ Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

 

P.S.

 

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P.P.S.

 

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für Dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

 

Hinweis

 

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe – Tierheilpraktikerin

Prälat-Marschall-Str. 18
42781 Haan / Deutschland
Telefon: +49 2104 211 88 80

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