BRAUCHT EIN TIERSENIOR WIRKLICH SPEZIELLE KOST?

Was Du beachten solltest, wenn es um Diätfutter fürs alte Tier geht

Ein Besuch im örtlichen Zoofachgeschäft beschert einem nicht nur Unmengen an verschiedenen Futter fürs geliebte Tier. Das es Futter bei Erkrankungen gibt, leuchtet ja teilweise noch ein. Auch das es für Welpen oder Kitten ein (sofern überhaupt) anders zusammengesetztes Futter gibt. Aber brauchen unsere rüstigen Tiersenioren wirklich ein Spezialfutter? Und wenn ja, wie sollte das Futter für den alten Hund, die alte Katze oder den Kaninchensenior zusammengesetzt sein?

WAS BEIM SENIOR ANDERS IST

Alte Menschen werden grauer, langsamer, verändern sich mit zunehmendem Alter Schritt für Schritt. Und genau das können wir auch bei unseren Haustieren beobachten. Während manche schon sehr früh eine graue Schnauze bekommen, wirken andere bis ins hohe Hundealter jugendlich. Das Aussehen spielt bei unseren Tieren auch eher weniger eine Rolle. Beim Tiersenior muss man andere Faktoren im Alter berücksichtigen, die schlussendlich eine Relevanz für die Fütterung haben.

Und dazu gehört sicherlich in erster Linie der Energiehaushalt. Viele Oldies wollen ihre Ruhe. Klar, spielen ist toll, Bewegung auch gerne mal. Aber insgesamt wächst das Schlaf- und Ruhebedürfnis. Der Vierbeiner verweilt öfter liegend. Er verbrennt nicht mehr so viele Kalorien und braucht somit nicht mehr so viel Energie über die Nahrung. Bekommt er weiter die bislang errechnete Futtermenge, wird die mangelnde Bewegungslust bei gleichbleibender Menge zu dem ein oder anderen Fettpölsterchen führen. Und das kann sich auf die Gelenke unangenehm auswirken. Viele alte Tiere leiden an Arthrose. Kommen einige überflüssige (Kilo)Gramm Gewicht hinzu, ist das eine unnötige Belastung.

ANGEPASSTE FUTTERMENGEN

Ich brauche also streng genommen kein Diätfutter für den Senior, ich brauche einfach eine neu berechnete Futtermenge. Bei meiner Katze Mischu habe ich 2016 genau den klassischen berechne die Futtermenge gemäß Dosenaufdruck Fehler begangen. Mischu hatte ein Gewicht von 4 kg, was einer Futtermenge von 200 g pro Tag entsprach. Zumindest stand das so auf dem Etikett des hochwertigen Nassfutters. Allerdings war Mischu zu diesem Zeitpunkt bereits 16 Jahre alt und machte keine wilden Spiel-/Jagdeinheiten mehr. Sie chillte lieber und räkelte ihren Bauch in die Sonne auf der Fensterbank. Im Nu hatte meine idealgewichtige Katze 600 g mehr und ich fand mich im Online-Kurs „Dick und rund ist nicht gesund“ meiner Kollegin Corinna Dördelmann wieder.

Das Ergebnis war, dass ungefähr 60 g Futter pro Tag zu viel im Napf landeten. Also reduzierte ich nun brav, was Mischu natürlich lautstark kritisierte. Doch die Pfunde purzelten und sie bekam wieder ihr Idealgewicht. Und damit wuchs auch die Bewegungsfreudigkeit. Viele alte Tiere sind zu dick. Man meint es gut, denkt vielleicht auch „das arme Tier ist eh schon alt und hat nicht mehr lange“, aber Mischu hätte sich noch 4,5 Jahre mit Übergewicht rumschlagen müssen. Und wer weiß ob sie damit überhaupt 20 Jahre alt geworden wäre.

Natürlich muss man bei der Anpassung der Futtermenge aufpassen. Gerade die futterliebenden Hunde werden einen mit großen Augen winselnd ansehen, während man selbst die erste Mahlzeit des Tages zu sich nimmt und mit schwerem Herzen am ersten Kaffee nippt. Der Hund hat da vermutlich schon seinen Napf geleert und stirbt gerade den 1. Hungertod. Ja, es ist schwer hart zu bleiben und nicht nachzugeben. Letztlich ist das jedoch auch eine Erziehungssache. Pipo, unser Junghund, weiß schon sehr gut, dass wenn wir am Tisch sitzen er sich auf seinen Platz begeben muss und dort wartet, bis wir fertig sind. Danach wird gekuschelt und es gibt vielleicht mal eine Belohnung. Aber vom Tisch gibt es nichts, egal wie herzallerliebst der Hundeblick ist.

SPECIALS FÜRS DIE SENIORENDIÄT

Ja, man kann durchaus dem Futter das ein oder andere zufügen, um einen rüstigen Rentner zu haben. Aber bevor ich mich an die Zugabe von Pülverchen mache, sollte ich lieber erst einmal checken, ob das Gewicht passt und ob die Ernährung optimal ist. Denn wenn hier irgendwo etwas nicht stimmt, bringen viele Ergänzer recht wenig.

Was durchaus sinnvoll sein kann, ist bei Hunden in jedem Fall eine leberschonende Zusammensetzung. Die erreicht man darüber, dass man den tierischen Anteil verringert, so dass am Ende die gesamten tierischen Komponenten bei 70% liegen und der pflanzliche Anteil bei 30%. Allerdings lässt sich diese Zusammensetzung nur erreichen, wenn man selbst kocht oder barft. Wie die Zusammensetzung bei Fertigfutter ist, lässt sich leider nicht so einfach herausfinden.

Bei Katzen bleibt auch im Alter der Anteil unverändert hoch, was die tierischen Komponenten betrifft. Katzen haben einfach einen ganz besonderen Organismus. Bei den kleinen Heimtieren sollte man sich so oder so bzgl. der Gabe von Wurzelgemüse-Mengen und Getreide Gedanken machen. Viele ältere Kaninchen und Meerschweinchen vertragen größere Mengen gerade von Karotte, Pastinake, Wurzelsellerie und co. nicht mehr so gut. Sie neigen zu Verdauungsproblemen, die sehr schmerzhaft sein können. Hier hilft es meist den Anteil an Blättrigem zu erhöhen, das Wurzelgemüse nur noch in „homöopathischen Dosierungen“ zu geben und zu prüfen, ob und wieviel Getreide zusätzlich in der Fütterung enthalten ist. Wenn Getreide, dann bitte eher auf Pseudogetreide und Samen umstellen und auch hier bitte in Maßen und nicht in Massen füttern.

Als Gelenkschoner werden älteren Tieren meist Nahrungsergänzer ins Futter gefügt, sofern diese nicht schon im industriellen Fertigfutter enthalten sind, wie Grünlippmuschel oder Kräuter. Auch Antioxidantien können sich positiv auf die Bewegungsfreudigkeit auswirken. Aber es muss einfach das Gewicht des Tieres passen. Trägt es zu viel mit sich herum, kann man noch so viel als Topic ins Futter geben, die Gelenkbeschwerden werden sich eher nicht verbessern oder zumindest gelindert werden. Ich muss also erst ein anderes Problem lösen.

Was bei einer Arthrose jedoch zwingend aus der Ernährung verschwinden sollte ist Getreide. Denn das kann die Arthrose noch verstärken. Deshalb prüfe in diesem Fall die Futterzusammensetzung. Und wenn auf dem Industriefutter deines Hundes, deiner Katze dazu nichts angegeben ist, solltest du dir Gedanken über einen Wechsel des Futters machen.

VORSORGE ÜBER VORSORGE – DEIN RESÜMEE

Ja, präventive Gaben können zum Teil helfen. Aber es hilft meist wenig Unmengen an Pülverchen in die Fütterung zu geben, ohne das das Tier diese a) benötigt noch b) diese aufgrund von Symptomen braucht. Wenn mein Hund oder meine Katze kerngesund ist, die Bewegung astrein ist und tierärztlich auch nichts an den Gelenken festgestellt wurde, dann braucht mein Tier keine Mittelchen, die eine Arthrose vermeiden. Statt hier Geld auszugeben sollte man sich eher Gedanken über eine hochwertige Ernährung machen und in diese investieren. Dann lieber mal das Futter mit ein paar frischen Beeren pimpen oder beim Spaziergang Brennnesselrispen sammeln und ins Hundefutter geben. Das sind tolle Booster für das Immunsystem.

In jedem Fall kann man den Tiersenioren durch eine angepasste und ggf. auch ergänzte Fütterung sehr viel Gutes tun, was sich positiv auf die Gesundheit und die Lebenserwartung und -qualität auswirkt. Deshalb kann ich an dieser Stelle wirklich nur an dich appellieren hier das Beste aus allem herauszuholen. Und wenn das für dich bedeutet, du musst leider ab sofort etwas strenger mit Leckereien oder den Futtermengen umgehen, dann wird es dein Tier am Anfang zwar schwer verstehen, aber letztlich danken.

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Wenn ich Dein Tier unterstützen soll, nimm mit mir Kontakt auf, z.B. über mein Kontaktformular. Alternativ biete ich Dir an, wenn Du mir Deine PLZ und Deinen Wohnort verrätst, einmal in meinem Netzwerk nachzusehen, wo sich in Deiner näheren Umgebung ein/e kompetente/r Tierheilpraktiker-Kollege/in versteckt hat. Letzteres natürlich kostenfrei und unverbindlich.

Von Herzen alles Liebe für Dich und Dein Tier.

 

 

DIE AUTORIN

 

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin und Ernährungsberaterin (für Hund, Katze und Kaninchen) mit mobiler Praxis. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit mehr als 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin, das heißt ihre Patienten bekommen nur soviel verordnet wie zwingend notwendig ist und das nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, gibt sie dies direkt kund. Mit ihrer Familie und dem Hunde“kind“ Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

 

P.S.

 

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P.P.S.

 

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für Dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

 

Hinweis

 

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe – Tierheilpraktikerin

Prälat-Marschall-Str. 18
42781 Haan / Deutschland
Telefon: +49 2104 211 88 80

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