VORSCHNELLE ÄUSSERUNGEN

Fehldiagnosen

Fehldiagnosen können bei Haustieren einfach vorkommen. Sie sind unschön – vor allen Dingen wenn man eine lebensbedrohliche Diagnose erhält, dessen Symptome sich am Ende zum Glück als Lapalie herausstellen….. Eines vorneweg. Ich schätze die Schulmedizin sehr. Ich arbeite Hand in Hand mit verschiedenen Tierärzten zusammen und schicke meine Tierhalter immer erstmal zur umfassenden Diagnostik zum Tierarzt. Und genauso handhabe ich es mit Kolleg/innen, die wie ich alternativ tierisch Tätig sind. In meinem Blog heute geht es mir nicht um grundsätzliches Fingerpointing oder Verurteilen. Vielmehr möchte ich tierisch Tätige anregen nachzudenken. Denn oft ist unser „Wording“, wie man neudeutsch so schön sagt, das Problem.

Und das möchte ich an folgendem Beispiel verdeutlichen, das sich leider genau so zugetragen hat:

VON DER PANKREATITIS ZUM KREBS UND AM ENDE WARS EIN MAGENDARMINFEKT

Wer das eigene Tier mit Symptomen zum Doc bringt, der es untersucht und erstmal nichts groß Beunruhigendes feststellt, der fühlt sich sicher zuerst gut aufgehoben und beruhigt. Tut sich jedoch nichts, dem Tier geht’s schlechter, fährt man natürlich nochmal hin. Leider ist es gerade in ländlichen Bereichen so, dass man nicht immer örtlich einen Tierarzt hat und zur weiterführenden Diagnostik oft die nächste Tierklinik aufsuchen muss. Und dort hat man keinen „Wunschtierarzt“, sondern muss mit dem Fachmann Vorlieb nehmen, der just in dem Moment im Dienst ist. Im Falle meiner Kundin erlebte sie jeden Tag einen anderen Arzt und bekam täglich andere Diagnosen für ihr Tier.

Zuerst war die Vermutung des zweiten behandelnden Arztes, es könnte sich um eine Pankreatitis handeln. Es wurde ein Blutbild gemacht, der Verdacht bestätigte sich jedoch nicht. Die Halterin wurde mit einem Tütchen Medikamenten nach Hause geschickt und sollte am nächsten Tag wiederkommen. Am nächsten Tag betrat ein anderer Arzt den Raum, las die Notizen der Vortage, prüfte das Allgemeinbefinden des Tieres und ordnete neue Untersuchungen an. Das Wort Krebs fiel sehr schnell und die Halterin bekam einen Nervenzusammenbruch. Geschwollene Lymphknoten, das sieht nicht gut aus, das kann Krebs sein.

Uff……als sie mir das so zitierte, war ich erstmal sprachlos und wurde auch zeitgleich wütend. Denn auf meine Frage, ob denn ein Röntgen oder Ultraschall oder CT oder irgendwas Bildgebendes veranlasst worden sei, kam ein leises Nein. Ich bin kein Diagnostik-Guru, aber in meiner Ausbildung waren geschwollene Lymphknoten oft auch bei Entzündungsprozessen im Körper vorhanden. Ein normaler Prozess des Organismus. Direkt von Krebs zu sprechen, finde ich fatal. Das Tier befand sich natürlich weiter in Obhut der Besitzerin, es musste nicht in der Klinik verweilen. Das wurde dann erst vom nächsten behandelnden Arzt am Tag drauf veranlasst. Der Zustand hatte sich nämlich weiter verschlechtert. Das Tier benötigte Infusionen und Aufbaukost.

Etwa eine Woche später unterhielten wir uns wieder. Als sie sich meldete war ich unsicher was mich erwarten würde. Ta da – Überraschung: Keine Pankreatitis, kein Krebs, ein Magendarminfekt. What? Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte und genauso erging es der Halterin.

Einer meiner Lehrer in der Realschule hatte mir – ich muss gestehen ich war recht vorlaut – mal im Unterricht gesagt: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach Klappe halten.“ Damals fand ich das ziemlich beleidigend und schämte mich, weil die ganze Klasse lachte. Aber heute muss ich sagen, er hat damit verdammt Recht! Natürlich hätte auch Krebs im Spiel sein können. Aber wie kann ich dieses Wort, das bei uns Menschen die Hölle auf Erden auslöst, denn in den Raum werfen ohne Beweise zu haben? Ohne das ich eine vernünftige Diagnostik betrieben habe? Ich verstehe es nicht.

VERTRAUEN IST GUT, ZWEITMEINUNG VOM FACHARZT BESSER

Ich habe für meine Tiere immer schon mehrere Tierärzte aufgesucht und das natürlich wissentlich mit meiner Nummer 1. Mein Tierarzt in Wuppertal ist menschlich und fachlich für mich mein wichtigster Berater, doch auch er ist jemand der offen sagt, wenn er mit seinem Latein am Ende ist. Und als bei Mischu das Thema Zahnsanierung im Raum stand, war er mir nicht böse, als ich ihm offenbarte, ich würde zum Zahnspezialisten nach Wülfrath fahren. Dieser würde einfach anderes Equipment und Handling mit alten Katzen haben.

Als ich noch in Bayern lebte, war es für meine damalige Tierarztpraxis auch kein Problem, als wir eine weiterführende Diagnostik benötigten und ich mit meinem Kaninchen Lucy in die Tierklinik fuhr. Warum auch nicht? Was die einen vielleicht jeden Tag erleben und begleiten, vielleicht fehlt ihnen dafür das Fachwissen bei etwas anderem. Und da wir alle tierisch Tätigen doch an einem Strang ziehen, wird man niemandem Böse sein, wenn man zur Abklärung oder Behandlung oder speziellen Diagnostik zum Facharzt geht.

Letztlich muss ich mich aber gut aufgehoben fühlen. Und ich muss Vertrauen haben!

WER NICHT VERTRAUT DEM IST NICHT ZU HELFEN

Ein großes Problem nicht nur bei den Tierärzten ist es, wenn Tierhalter das Vertrauen in alle tierisch Tätigen (also auch Tierheilpraktiker, Tierernährungsberater usw.) verloren haben und sich in Social Media Gruppen tummeln. Hier werden oft nicht nur Behandlungsberichte zerfleddert, es werden ganze Behandlungsstrategien und Medikamentenverordnungen infrage gestellt. Sicherlich sind gewisse Kanäle auch dienlich, doch wer steckt dahinter? Und wie viel Erfahrung haben sie? Und was können sie mit nur ein paar Halterstatements tatsächlich beurteilen?

Viele Halter begehen dann einen Fehler: Statt dann mit dem behandelnden Tierarzt zu sprechen, ggf. mögliche Nachfragen mit diesem zu klären, wird man unsicher, geht zum nächsten und übernächsten und hilft am Ende dem eigenen Tier möglicherweise nicht mehr. Weil man keinem Vertrauen kann. Weil man das Vertrauen in die Schulmedizin verloren hat.

Und am Ende braucht man beim Tierarzt auch nicht mehr antanzen, wenn dieser beim zufälligen Googlen oder durch enge Praxiskundschaft erfährt, wie man in Gruppe x, Forum y oder sonstwo zerredet wird.

WAS ICH GETAN HÄTTE

Meiner Kundin habe ich am Ende des Telefonats empfohlen, dass sie zukünftig eine Zweitmeinung an einem anderen Ort vornimmt. Denn hier hatte sie scheinbar tagesformabhängige Meinungen unterschiedlichster Ärzte, aber so wirklich Ahnung hatte keiner. Und das ist schade. Ich habe sie gebeten sich mal eine Liste mit Tierärzten aus der Region zu erstellen und auch zu notieren, wo wer sein Fachgebiet hat. Und dann einmal nach Bewertungen zu googlen und in Ortsgruppen zu fragen, wer mit seinem Tier wohin fährt und ggf. welche Zufriedenheit wo hat.

Natürlich gibt es 10 Antworten und x unterschiedliche Meinungen. Auch über meinen Lieblingstierarzt gibt es verschiedene Bewertungen. Aber die meisten sind dankbar, dass ich seinen Namen ins Spiel brachte und sie nun mit ihren Tieren zu ihm fahren (und das nun schon diverse Jahre).

MEIN WUNSCH AN UNS TIERISCH TÄTIGEN

Oh ja, ich habe da so einen Wunsch an uns tierisch Tätige. Etwas, das wir vielleicht durch Fortbildungen und Expertenaustausch irgendwann verloren haben. Etwas, das durch die Masse an Tieren und Menschen verloren geht, im hektischen Praxistrubel. Sicherlich kann man eine Vermutung haben. Doch vor uns steht meist ein verunsicherter, besorgter Halter mit unterschiedlich eigenem Wissen. Viele Tierhalter besitzen gutes Wissen, einfach weil man sich für das tierische Familienmitglied interessiert. Im Jahr 2020 ist es durch das Internet und das Recherchieren unglaublich schwer einem Tierhalter irgendetwas vorzumachen und davon sollte man sich menschlich auch distanzieren.

Wenn wir ratlos sind, dürfen wir das sagen! Mag sein, dass wir dann einen Shitstorm ernten, was wir für Praktizierende sind, welche ohne Ahnung. Aber einen Begriff als Vermutung in den Raum zu werfen, kann teilweise fatal sein und uns viel eher das Genick brechen.

Ehrlich währt am längsten! Ich habe kürzlich wieder zwei Tierhaltern ehrlich gesagt, dass ich leider nicht wirklich sicher bin, ob ich die Richtige bin. Mir fehlte in dem einen Fall die Diagnose. Hier waren so viele Vermutungen im Raum, aber nichts war als Befund hieb- und stichfest. Es standen zu viele „es könnte x oder y sein“ im Raum. Und die Halterin war zwar etwas enttäuscht, fand das jedoch aufrichtig und schätzte meine Antwort.

Ich glaube, wir müssen uns alle wieder einmal bewusst machen, dass es uns doch allen um das Gleiche geht: Wir möchten das Beste fürs Tier! Egal ob als Tierhalter, Tierarzt oder alternativ tierisch Tätiger!

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Wenn ich Dein Tier unterstützen soll, nimm mit mir Kontakt auf. Ich helfe mit meiner Online-Beratung Tieren überregional und grenzüberschreitend. Detaillierte Infos zum Ablauf und den Kosten findest Du hier: Online-Beratung

Von Herzen alles Liebe für Dich und Dein Tier.

 

 

DIE AUTORIN

 

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin und Ernährungsberaterin (für Hund, Katze und Kaninchen). Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit mehr als 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin, das heißt ihre Patienten bekommen nur soviel verordnet wie zwingend notwendig ist. Und das nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, gibt sie dies direkt kund. Mit ihrer Familie und dem Hunde“kind“ Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

 

P.S.

 

Wenn Du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

 

P.P.S.

 

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für Dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

 

Hinweis

 

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe – Tierheilpraktikerin

Prälat-Marschall-Str. 18
42781 Haan / Deutschland
Telefon: +49 2104 211 88 80

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