Hast du schon einmal einen Hund oder eine Katze vorm Spiegel erwischt, wie das Tier sich die Zähne putzte? Eher weniger, oder? Zugegeben – es ist auch ein etwas seltsamer Gedanke. Doch auch bei unseren Tieren sollte man sich um die Zahnpflege Gedanken machen. Denn Erkrankungen des Zahnapparats machen vor Hund | Katze keinen Halt. Im heutigen Artikel widmen wir uns also einmal den Beißerchen und decken auf, was tatsächlich gut für die Zahngesundheit ist und was völliger Nonsens ist. Du wirst also am Ende wissen, was du bei deinem Tier vielleicht in Erwägung ziehen solltest und wovon man tatsächlich die Finger lassen kann.

zahnkrankheiten erkennen

Es gibt zahlreiche, dentale Erkrankungen unter denen unsere Tiere leiden können und die wie ein Schreckensgespenst sicherlich bekannt sind. Für Katzenhalter ist das sicherlich die Abkürzung FORL. Sie steht für Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen und bedeutet nichts anderes als das die bleibenden Zähne von Zellen zerstört werden. Meistens beginnt dieser Zerfall im Wurzelbereich. Das macht es so schwer, es beim Blick ins Maul zu erkennen. Man muss hier schon mit bildgebenden Untersuchungsmethoden arbeiten. Leider erkranken sehr viele Katzen darunter schon in jungen Jahren und müssen Zähne lassen. Doch auch bei Hunden kommt diese Erkrankung vor und nennt sich da dann CORL, bei dem das C für Canine steht.

Es muss aber gar nicht so weit kommen. Denn Plaque- und Zahnsteinbildung ist das viel häufigere Problem, unter dem unsere Haustiere leiden können. Der eine mehr, der andere weniger, was auch zum Teil Veranlagungssache ist. Und je stärker die Zähne damit „vermodert“ sind, umso eher kann es zu Entzündungen im Maul kommen und zur Gingivitis und Parodontitis. Wir Menschen reinigen meist 2-3 x täglich unsere Zähne und versuchen so den Gang zum Zahnarzt möglichst einzuschränken, durch eine gewisse Zahnhygiene. Unsere Tiere tun das eher weniger und wenn, dann nur mit unserer Hilfe.

Die Zahngesundheit kann man dabei zwar auf gewisse Fundamente setzen, aber eines davon ist und bleibt der Tierarzt, der regelmäßig einen geschulten Blick ins Maul werfen sollte. Am besten einmal jährlich bei der Vorsorgeuntersuchung. Denn insbesondere bei Katzen bemerkt man Schmerzen im Maul, bei denen die Zähne ursächlich sind, leider als Halter immer äußerst spät… Zudem sollte man die tierärztliche Zahnreinigung auch 1-2 x (je nach Patient) vornehmen lassen. Dafür gibt es mittlerweile auch spezielle Zahntierärzte, die mit besonderen Narkoseverfahren usw. die Tiere ganz anders vor jedem Eingriff untersuchen, damit alles glatt läuft.

WAS KANN DIE ERNÄHRUNG FÜR DIE ZÄHNE TUN?

Viele Hersteller von Fertigfutter oder Ergänzungsfutter prophezeien uns, mit diesem Futter oder Leckerli bräuchte Hund | Katz keinen Zahnarzt mehr. Es wäre „die Zahnbürste“ aus dem Napf oder via Leckerei. Doch ist das tatsächlich so einfach? Mal ganz salopp gesagt: Nein! Sicherlich gibt es gerade bei den Tieren, die gebarft werden und vor allen Dingen größere Muskelfleischstücke bekommen sowie weiche Knochen (z.B. Hühnerflügel) die Kandidaten, die durch den größeren Kauaufwand eher ihre Zähne reinigen können. Aber schlussendlich brauchen auch diese Tiere meist eine Untersuchung durch den Tierarzt und ggf. eine Zahnsteinbehandlung.

Füttere ich ein Nassfutter, dann wird meine Katze darauf eher weniger rumkauen, wozu sie mit ihrer Gebissform ja auch weniger in der Lage ist. Sie hat ein Scherengebiss, was nur auf und zuklappt. Sie nimmt Nassfutter mit der Zunge auf und schluckt es. Der Hund ist ein Schlingfresser. Er kaut darauf auch nicht herum, sondern schlingt es mit einem Satz hinunter.

Beim Trockenfutter hat man ja meist das Gefühl, das könnte gut für die Zähne sein, doch auch das stimmt nicht! Eben weil die Katze sogar unter starken Schmerzen die kleinen Brocken in Gänze schlucken kann. Sie muss diese nicht zwingend einmal zerteilen. Und der Hund kann mit einem Haps auch diese schlucken. Dieses Werbeversprechen stimmt also weniger. Deshalb haben clevere Hersteller nun den Slogan, es wären ja zahnsteinlösende Inhaltsstoffe vertreten. Doch dazu muss man wissen, dass diese dann aber auch eine Zeit im Maul verbleiben müssten, damit sich die Hygiene dort verändert und somit auch der Zahnstein gelöst wird.

Wenn du nun enttäuscht bist, dass man über das normale Futter wenig ausrichten kann, tut es mir leid. Doch eigentlich ist es logisch. Wenn dem so wäre, glaubst du für uns Menschen würde man ständig neue Zahnbürsten entwickeln?

die zahnbürste fürs haustier

Jetzt kann man natürlich tief in die Tasche greifen und das Top-Produkt unter den Zahnbürsten für den Hund erwerben. Oder man greift zur herkömmlichen Ultraschallzahnbürste für den Menschen, aber mit kleinem Bürstenkopf. Deutlich erschwinglicher und genauso effektiv…. Doch das kommt ganz auf dich und dein Portmonaie an. Ich habe – ehe es für uns eine Ultraschallzahnbürste wurde – erst einmal mittels Handzahnbürste ausprobiert, ob Pipo da überhaupt mitspielt. Nicht jeder Hund findet das Rumfummeln im Maul toll, geschweigedenn noch mit einem Präparat zur Zahnreinigung. Zuerst besorgte ich noch eine Hundezahnpasta chemischer Zusammensetzung, die relativ viele gute Noten bei verschiedenen Käufern erhalten hatte. Zusammen mit einer Kinderzahnbürste (kleiner Kopf und nicht zu harte Borsten) probierte ich also mein Glück. Siehe da! Pipo spielte mit.

Danach testeten wir eine Hundezahnbürste nebst Fingerhut und stellten die erste Zahnpasta selbst her. Ergebnis: Er machte noch bereitwilliger mit. Wohl weil die Basis der Zahnbürste Kokosöl ist und das einfach besser schmeckt. Da ich für mich schon immer mit einer Ultraschallzahnbürste liebäugelte, kaufte ich eine für mich und das Töchterchen und diverse Aufsteckbürsten. Darunter auch eine, die Pipo nutzen sollte. Doch das ging gehörig schief. Pipo fand das Teil gruselig. Das Geräusch furchtbar und flüchtete. Nicht nur einmal, auch Tage danach noch. Egal ob das Gerät eingeschaltet war oder „off“. Keine Chance. Also sind wir wieder beim Putzen per Handzahnbürste und machen das so gut es geht. Ein Glück, dass ich nicht zum teuren Hundeprodukt gegriffen habe, sondern nun glücklich mit meiner Tochter alleinig die Zahnbürste nutzen kann.

Ich möchte hier aber wirklich ehrlich sein: Ob das alles wirklich langfristig und effektiv was bringt, bezweifle ich. Denn es ersetzt bei einem Hund mit schlechten Zähnen sicherlich nie und nimmer einen Zahnarzt und dessen professionelle, regelmäßige Zahnreinigung.

ABER: Sicherlich kann eine regelmäßige Pflege gut für die Zahngesundheit und Maulhygiene sein. Sicherlich auch dabei unterstützen, dass nach einer tierärztlichen Zahnreinigung u.U. länger die „schönen Zähne“ bestehen. Doch das hängt ein wenig davon ab, wie oft du dir die Zeit für die Maulhygiene nimmst. Kolleginnen und Kunden putzen beim Hund zweimal täglich. Uff, ich bin froh, wenn ich auf 5 x wöchentlich komme.

Bei der Katze kann man auch Zähnchen putzen. Würde ich aber von kleinauf antrainieren und am besten mit einer Kinderzahnbürste testen. Anatomisch ist es jedoch gerade bei einem kleinen Katzenköpfchen schwer bis ins hinterste Eck des Mauls zu kommen und somit alle Zähne gut zu putzen. Das klappt beim Hund wesentlich einfacher.

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zahnpflege-ergänzungsprodukte

Wer noch nicht genug hat, kann zu diversen Zahnergänzungsmitteln greifen, die der Markt fröhlich aus nicht sickernder Quelle stets ausspuckt. Tolle Namen, die weiße Glanzzähnchen versprechen. Wirft man einen Blick auf die Zusammensetzung, steht sehr oft Seealge in nicht unerheblichem Maße in der Zutatenliste. Seealgen enthalten jedoch einen hohen Jodanteil. Füttere ich nun meinem Tier bereits ein Alleinfutter, in dem meist der Jodgehalt xfach überschritten ist, kommt bei Zugabe eines solchen Produkts eine nicht wirklich unerhebliche Jodmenge dazu. Für mich ein Tabu! Das kann langfristig zu Problemen der Schilddrüse führen.

Wird gebarft oder gekocht und man hat eine Handhabe auf die Jodzugabe, könnte man zumindest die Seealgen- oder Jod-Menge in der Fütterung etwas reduzieren, wenn man solche Zahnpflege-Ergänzungsprodukte nutzen will.

Und dann sind da noch Stoffe drin, die noch weniger Sinn machen. Einfach weil das Tier selten so lang drauf rumlutscht, so dass sich vielleicht die Maulklima-verändernden Mittel lang genug im Maul aufhalten und ihren Dienst tun können. Das heißt der Speichel und das Abschlucken oder Sabbern (primär beim Hund) spült diese Hilfsstoffe recht schnell weg. Macht also auch wenig Sinn.

Bei uns gibt es zwar die ein oder andere Kaustange, der man „gute Zähne“ nachsagt, aber eher damit sich unser Hund entspannen kann. Denn Kauen baut Stress ab. Wir nutzen hier (Achtung Werbung da Namensnennung:) Hard Cheese und Hard Cracker von QChefs. Pipo mag sie, ist gut beschäftigt und vielleicht haben die Stangen ja einen Nutzen…

Außerdem gibt es hier zum Benagen ein Kaffeeholz. Das ist relativ weich, splittert nicht, sondern es lösen sich bei starker Feuchtigkeit durch den Speichel Fasern vom Holz.

mein resümee

Du wirst zumindest um einen regelmäßigen, geschulten Blick ins Maul durch den Tierarzt nicht drumherumkommen. Kannst aber ggf. – je nach Haustier – noch ergänzend die Maulhygiene unterstützen. Verlass dich da auch ein wenig auf dein Gefühl, nicht nur auf Markenversprechen. Achte immer auf Inhaltsstoffe (Stichwort Jod bzw. Seealge) und prüfe auch inwiefern die restlichen Zutaten Sinn machen.

Bevor du viel Geld ausgibst, teste doch erstmal, ob dein Tier überhaupt eine regelmäßige Zahnpflege mitmacht. Zahnbürsten für Kinder sind schon für unter 1 Euro im örtlichen Discounter zu finden. Was die Zahnpasta betrifft kannst du auf ein Produkt fürs Tier zugreifen (niemals zu einer Zahnpasta für Menschen!!!). Alternativ kannst du dir auch eine Zahnpasta für den Hund aus 1 TL sehr weichem Kokosöl, einer Prise Kurkuma sowie 1 Prise Pfefferminzkräuter (trocken und fein zerrieben) zubereiten.

Wende es regelmäßig an, ansonsten bringt es eher wenig. Und wenn du magst, berichte doch mal wie es klappt. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

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