Im Nachgang zu Mischus Tod, habe ich sehr viele Emails und Kontaktaufnahmen via Social Media erhalten. Viele Menschen schrieben mich an, bekundeten ihre Anteilnahme und dankten mir. Denn auch sie sind oder waren in ähnlichen Situationen und fühlten sich durch meine Offenheit nicht so allein. Sie fühlten sich so und das sagten sie mir, als könne man sich durch meine Texte doch etwas auf das Sterben vorbereiten…. Doch geht das überhaupt?

WISSEN WAS KOMMT UND DENNOCH HILFLOS

Wir wissen ganz genau, dass das Leben begrenzt ist. Wir wissen, dass unser Tier vielleicht alt ist. Doch wenn dann der Tod an die Tür klopft, dann sind wir dennoch überrumpelt. Man fühlt sich überfahren. So ging es mir auch als sich Mischu im Sommer 2020 auf den Weg machte. Zuerst war ich noch voller Hoffnung es könnte eine vorübergehende Schwäche sein. Aber in mir war da so ein dumpfes Gefühl, das man nicht erklären kann. Selbst mein Tierarzt versuchte mich zu beruhigen: „So schnell stirbt man doch nicht.“ Dann kamen die Blutergebnisse und sie deuteten auf nichts Gravierendes. Ich war enttäuscht. Warum war da nichts zu finden? Dann hätte ich irgendwas therapieren können. So aber breitete sich mein Gefühl weiter aus. Mischu macht sich auf den Weg.

Vielleicht kennst du diese Gefühle? Man nennt das auch Intuition. Und mein allererster Tierarzt, Dr. Peter Baumann (München) sagte damals zu mir: „Hören sie immer auf ihr Gefühl! Es ist der zuverlässigste Begleiter und wird immer dienlich sein, wenn es darum geht das ihr Tier krank ist bzw. etwas hat.“ Er fuhr fort, dass man das nicht erklären kann, aber bei den Tieren ist tatsächlich dann was, auch wenn man vielleicht noch gar nicht viel sieht. Diese Beobachtung habe er schon lange gemacht. Manche Menschen betiteln das auch als 6. Sinn und besondere Fähigkeit. Dabei ist das Besondere Humbug, denn jeder Mensch verfügt darüber. Es liegt jedoch an dir, wie stark er ausgeprägt ist und mit dir spricht. Manche Menschen sind sehr empathisch und offen. Sie sind innerlich ruhig und hören viel, was der Körpersinn mitteilt. Und andere (darunter leider zu 90%) auch ich, sind einfach zu busy. Der Kopf ist permanent mit etwas voll, man hetzt von Termin zu Termin, ist froh zwischendrin mal was Essen oder Trinken zu können und fällt abends innerlich leer ins Bett. Wie soll da noch irgendwas zu einem sprechen?

Aber ich schweife gerade ein wenig ab, gell? Denn heute möchte ich mit dir über das Vorbereiten auf das Sterben sprechen und ob man das kann. Die Antwort lautet JEIN!

KLARES JEIN

Ich muss gestehen, auch ich war überrumpelt. Und das, obwohl ich mich seit so langer Zeit mit dem Sterben auseinandersetze. Ich habe so viele Tiere begleitet, eigene und fremde. Ich habe Bücher gelesen, Podcasts gehört. Ich war auf Fortbildungen und besuchte sogar eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin. Dennoch war ich in dem Moment, als Mischu die verschiedenen Sterbephasen durchlief zeitweise hilflos. Ich war konfus. Ich wusste manchmal nicht, was ich tun soll und da half mir eines.

Ich habe mich neben mich gestellt! Du fragst dich nun, wie soll das gehen? Eigentlich ganz einfach. Einmal bin ich Tierhalterin von Mischu und zum anderen Tierheilpraktiker. Ich habe mir in dem Moment die Frage gestellt: Sonja, was siehst Du? Die Frage richtete die Tierheilpraktikerin an die Tierhalterin. Und letztere sagte sehr nüchtern, was sie sah. Als Mischu wieder einmal viel schlief und wieder mal nichts Fressen wollte, da übermannten mich meine Gefühle. Ich weinte, ich war verzweifelt. Ich bekam kaum Luft und ich wollte einfach irgendeine Hilfe. Ich erinnerte mich an so einige Situationen als Sterbebegleiterin, in der ich dann gewisse Fragen stelle, um den Ist-Zustand zu erfahren. Und dazu gehört auch die Frage, wie der aktuelle Tag bislang verlaufen war. Ich versuche dann den Geist des Gegenübers auf etwas zu lenken, was vielleicht Positiv war, aber im Moment größter Verzweiflung übersehen wurde.

Auch in diesem Fall fragte ich mich also: „Sonja, was siehst du?“ Für einen Bruchteil war ich still. Dieses Gefühlschaos wurde ruhig und ich betrachtete das erste Mal richtig meine Katze. Ich antwortete: „Mischu schläft.“ Okay, mein zweites Ich schien zufrieden und es folgte die nächste Frage: „Was hat sie heute schon gefressen?“ Ich saß da mit einem Napf, den sie vor wenigen Minuten nicht angerührt hatte. Sie hatte sich weggedreht und ich war in ein Tief gefallen. Ich überlegte kurz: „Sie hat heute früh zwei Schleckpastentütchen geleert und Soße aus dem Napf genommen. Sie hat später auch Aufbaukost freiwillig genommen.“ Und während ich das laut vor mich hin sagte merkte ich, wie lächerlich ich mich gerade machte. Nicht weil ich Selbstgespräche führte, sondern weil mir diese Menge, die sie zu sich genommen hat, völlig entfallen waren. Für mich brach eine Welt zusammen, wegen der Ablehnung einer einzelnen Mahlzeit und dabei hatte Mischu sich bereits sehr viel Mühe gegeben und für ihre Verhältnisse im Sterbeprozess sehr gut gefressen.

Du siehst, wenn man sich mal aus allem rausnimmt, seine Gedanken ordnet und den Sturm im Kopf besänftigt, kann sehr deutlich die Realität zu Tage kommen. Mir haben diese Zwiegespräche sehr geholfen, auf dem Boden zu bleiben und mich wieder neu zu erden, wenn ich das Gefühl hatte den Boden zu verlieren. Für mich war das eine Art von Vorbereitung.

ES STIRBT NICHT, WEIL ES NICHTS FRISST

Und einen so klaren Satz hat mir meine geschätzte Katzenkollegin Marion Frömming geschenkt. Ja, ich muss Geschenk dazu sagen, denn auch diese Aussage rüttelte mich so wach. Mischu fraß nichts, weil sie nichts brauchte. Ein Lebewesen im Sterbeprozess stirbt nicht, weil es nichts (fr)isst, sondern es (fr)isst nichts, weil es stirbt. Das ist ein großer Unterschied. Zwar war es für mich unglaublich schwer zu akzeptieren, dass Mischu keine Nahrung mehr wollte, aber als ich damit meinen Frieden gefunden hatte, ging es mir besser. Und fast schon als Belohnung nahm Mischu dann auch wieder selbst ganz geringe Mengen zu sich.

Naja, denkst du dir nun vielleicht, das Vorbereiten auf das Sterben erfolgte hier ja schon während dem Sterbeprozess. Und das ist auch richtig. Warum soll ich mich denn, wenn z.B. ein junges Tier bei mir einzieht mit dem letzten gemeinsamen Tag auf Erden befassen? Ich finde es wichtig, dass man viel mehr sehr intensiv das Augenmerk auf den bewussten Moment richtet. Wenn ich trotz einem terminlich vollgepackten Tag abends müde auf der Couch sitze, dann sollte ich meiner Katze nicht nebenbei das Fell kraulen, sondern vielleicht achtsam zu 100% bei ihr sein. Und wenn ich diese achtsamen Momente täglich in mein Leben baue, dann habe ich eine Unmenge an wertvoller Momente in meinem Herzen. Denn das Leben kann jeden Tag vorbei sein. Der Tod kann jeden Tag an die Tür klopfen und „Hallo“ sagen.

Wir haben kein Mindesthaltbarkeitsdatum. Unsere Tiere auch nicht. Für mich heißt Vorbereiten auf das Sterben also auch, dass ich achtsamer den Moment lebe. Und das ich das Beste aus dem Leben raushole. Dass ich versuche möglichst viel für die Gesundheit meines Tieres zu tun.

Sehr leise versuche ich mich aber parallel auch mit dem Abschied irgendwann einmal anzufreunden. Das Leben ist endlich. Irgendwann trennen sich unsere Wege. Mir hilft tatsächlich im Zusammenleben mit meinen Tieren, dass ich ohne sie „nichts“ wäre. Ohne sie wäre ich nicht die Sonja, die ich heute bin. Ich hätte nach dem ersten Kaninchenverlust, als damals Krümel starb, mit der Tierhaltung aufhören können. Doch wie arm wäre mein Leben dann verlaufen? Und jetzt mit Mischu… Ja, es war hart sie zu begleiten. Aber es war – das denke ich – einer der größten Liebesbeweise, die ich ihr noch schenken konnte, dass ich ihr ihre Zeit zum Sterben geben konnte und für sie da war. Ich hätte sie so viel länger gerne bei mir gehabt, doch es waren immerhin 4,5 Jahre und dafür bin ich unendlich dankbar. Sie fehlt mir und es wird wohl noch etwas dauern, bis ich von ihr ohne einen aufsteigenden Kloß im Hals erzählen kann. Aber das ich von ihr erzählen kann, weil sie MEINE Katze war…..wow! Was für ein Geschenk.

Ich möchte dir an dieser Stelle einfach nur den Rat geben, dass du dich selbst nicht zu sehr unter Druck setzt, wenn du dergleichen noch gar nicht denken kannst. Denn ich habe für genau dieses Gefühl viele Jahre gebraucht. 2006, als Krümel starb, da war ich noch weit von solchen Gedanken entfernt. Sich mit dem Sterben „anfreunden“ ist ein Prozess. Und mir half es, mich mit dem Thema näher zu befassen. Mir half es auch zu wissen, dass an dem Tag, als z.B. Mischu ging überall auf der Welt Tierhalter saßen, die ein Tier verloren haben. Es ist kein Einzelschicksal, dass ein Tier geht.

Solltest Du tierisch Tätiger sein und darin gerne von mir fortgebildet werden wollen, findest du in meiner Fachfortbildung vielleicht den passenden Rahmen.

DU SUCHST KOMPETENTE HILFE BEI DER STERBEBEGLEITUNG

…oder möchtest als tierisch Tätiger selbst lernen andere Menschen und ihre Tiere auf diesem letzten Weg zu begleiten? Wenn du Tierhalter bist, dann kann ich dir meine Absolventen ans Herz legen, die gerne für dich da sind und vielleicht sogar in Deiner Nähe wohnen. Das Online-Team findest du im Trauergarten, ein geschlossener Ort auf Facebook.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

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