Sonja Tschöpe - Vorsorglich therapieren – sinnvoll oder sinnfrei?

Das Thema Prophylaxe ist gerade am Herbstanfang ein beliebter Suchbegriff bei Tante Google. Man möchte wissen, was man Gutes tun kann, damit das Immunsystem des Haustieres gestärkt bleibt und man gesund durch die kalte Jahreszeit kommt. Warum auch nicht? Präventiv etwas tun, damit sein Tier gar nicht erst krank wird – das klingt logisch!

Der Markt an derartigen Prophylaxe-Mittelchen boomt. Es gibt unendlich viele Produkte unterschiedlicher Art, egal für welches Haustier. Und gefühlt täglich erscheinen neue Präparate, die dabei helfen sollen, dass das Tier dank einem stabilen Immunsystem Wind und Wetter gewappnet ist. Was man dabei an Geld loswerden kann – wow! Es scheint, als wäre die Gesunderhaltung definitiv kein Schnäppchen! Nun gut, schließlich ist die Gesundheit auch sehr kostbar, nicht wahr?

Ich muss gestehen: Ich bin früher auch auf jeden Zug aufgesprungen, wenn es um das Wohl meiner Tiere ging. Man konnte mit einem ansprechenden Werbeplakat, einem tollen Slogan und einigen scheinbaren Beweisbildern meine Überzeugung gewinnen. Ich habe nicht groß nachgedacht, ob die Menge der enthaltenen Wirkstoffe oder aber die Höhe der Dosierung wirklich sinnvoll ist. Ich hatte ein gutes Gefühl, wenngleich nicht immer ein Erfolg sichtbar war. Gut, sagte ich mir, vielleicht hast du es nicht richtig angewandt. Vielleicht war aber auch die Erkrankung zu schwerwiegend, so dass man gar nichts vorsorglich hätte tun können. Blieb mein Tier jedoch gesund, dann musste es natürlich genau wegen jenem Präparat sein.

Heute bin ich diesbezüglich etwas skeptischer. Und das ist gut so. Warum ein kritischer Blick und ein tieferes Nachdenken sinnvoll ist, möchte ich dir heute an die Hand geben.

VIEL HILFT NICHT VIEL!

Man kann mit einer Kanonenkugel auf einen Spatz schießen und trifft ihn dennoch nicht. Produkte, die viele Inhaltsstoffe enthalten und viel abdecken sollen, wiegen einen in Sicherheit, irgendwas wird anschlagen und helfen. Dass sich jedoch die Substanzen gegeneinander aufheben oder in ihrer Wirkweise einschränken können, weiß man als Laie oft nicht. Woher auch? Oder das ein Tier – insbesondere Katzen – mit manchen Dingen wenig bis gar nichts anfangen können? Und was, wenn das Tier etwas nicht verträgt, mit Symptomen reagiert? Du wirst dich schwertun herauszufinden, was genau aus dem Komplexpräparat dafür verantwortlich ist.

Wer darauf schwört, viel geben zu müssen, sollte sich lieber überlegen: Was genau hat für mich und mein Tier als prophylaktische Vorsorge oberste Priorität? Was möchte ich genau erreichen und bessern?

„Lieber ein gut gewähltes Vorsorgepräparat für ein wichtiges Symptom, als eine Unmenge an Mittelchen, von denen man letztlich nicht weiß, ob es überhaupt etwas bringt und wenn ja, was genau davon.“

Du kennst dein Tier. Du weißt, ob der Jahreszeitenwechsel eher zu einem Infekt der Atemwege führt oder aber die Gelenke belastet. Und dieses Wissen solltest du nutzen, um aus dieser Vielzahl an vielversprechenden Produkten das Eine zu finden, welches für deinen tierischen Liebling vollkommen ausreicht.

MUSS ES DENN ÜBERHAUPT EIN ZUSATZ SEIN?

Nein! Und das kann ich ganz klar beantworten. Wer sein Tier gesund ernährt, setzt das Wichtigste bereits um. Das Tier bekommt über die ausgewogene Nahrung alle nötigen Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, um gesund zu bleiben. Das heißt für Hund und Katz entweder die Fütterung mittels BARF oder einem hochwertigen Nassfutter. Für die kleinen Heimtiere (Kaninchen/Meerschweinchen) bedeutet das ein Angebot aus Wiesen- und Küchenkräutern, Blättrigem, auch etwas Gemüse und Obst. Ich habe fast 20 Jahre an der Seite von bezaubernden Kaninchen gelebt. Je tiergerechter die Ernährung war, umso weniger Zusätze brauchte ich, da die Tiere wesentlich gesünder waren und dank eines stabilen Immunsystems besser durch die Jahreszeiten gekommen sind.

Selbst meine Seniorkatze bekam keine besonderen Extra-Supplemente. Sie wurde jedoch hochwertig ernährt. Durch diese optimale Ernährung haben wir eine großartige Wirkung auf die Gesundheit im hohen Alter erreicht. Zusammengefasst bedeutet das: wer sein Tier gesund ernährt, kann sich oftmals diverse Mittelchen „schenken“. Ist die Ernährung nicht optimal, lohnt sich der Weg zum Ernährungsberater.

DAUERHAFTE GABEN IN ORDNUNG?

Was kurzzeitig gut tat, möchte man manchmal auch dauerhaft geben. Von einer lebenslangen Gabe, möchte ich an dieser Stelle dringend abraten. Insbesondere dann, wenn das Tier eigentlich gesund ist, man aber irgendwo recherchiert hat, wenn es X bekommen würde, Y nie ausbrechen wird. Wir suchen, und da schließe ich mich durchaus mit ein, nach dem Geheimrezept, mit dem wir das Leben verbessern und verlängern. Was man heute weiß ist, dass die richtigen Grundlagen (richtige Ernährung, wenig Stress, genügend Schlaf, genügend Bewegung) schon einmal entscheidend sind. Also sollte der Fokus erst einmal darauf gelegt werden.

Ist das bereits das Optimum, werden Sinn und Nutzen geprüft. Braucht mein Tier wirklich etwas? Wenn ja, wegen welchem Symptom möchte ich etwas geben? Hat man sich dazu die notwendigen Gedanken gemacht, kann man im Folgeschritt differenzieren, wie man es umsetzen möchte. Gibt es etwas, das man über die Ernährung geben kann, z.B. im Rahmen einer Vitaminergänzung oder eines Öls oder aber über ein bestimmtes Heilkraut? Oder muss es etwas sein, dass man über die örtliche Apotheke in Form von Pulver oder Globuli bekommt? Hat man „sein Mittel“ dann gefunden, wird über die Dosierung und Dauer der Gabe geprüft, ob die gewünschte Wirkung überhaupt eintritt. Passiert nämlich nichts, sollte möglichst frühzeitig abgewogen werden, ob man überhaupt damit weitermacht. Ich würde spätestens an dieser Stelle einen fachkundigen tierisch Tätigen ins Boot nehmen. Denn ganz ehrlich: Lieber einmal vernünftig investiert, als im Nachgang unnötig viel Geld zum Fenster herausgeworfen zu haben. Oft hätte man sich den Tierheilpraktiker durchaus leisten können, wenn man die wertvollen Finanzen besser angelegt hätte. Das nur am Rande.

Funktioniert natürlich ein Mittel gut, kann man abwiegen, ob man es längerfristig einsetzt. Hier kommt es jedoch auf die Art des Präparats an. Ein homöopathisches Einzelmittel würde ich als ausgebildete Tierhomöopathin niemals ohne eine entsprechende Verordnung eines Fachmanns langfristig einsetzen. Denn genauso wie es hilft könnte es schaden. Und dann gibt es eine Vielzahl an Mitteln, bei denen man sich bei näherem Blick fragen sollte, ob das was enthalten ist alles so sinnvoll und langfristig unschädlich ist, weshalb ich auch hier immer fachkundigen Rat einholen würde.

RESÜMEE: IST DIE PROPHYLAXE NUN SINNVOLL ODER SINNFREI?

Ganz so einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. Es kommt immer darauf an, ob man mit einer gezielten Vorsorge etwas erreicht. Hat man sein Hausmittelchen für ein bestimmtes Symptom gefunden, was dem tierischen Liebling präventiv hilft, dann ist alles Bestens. Möchte man jedoch nur etwas geben, um etwas zu tun, um ein gutes Gefühl zu haben und weil es als wahres Wundermittel doch so angepriesen wird: Finger weg. In diesen Fällen sollte man sich selbst einmal die Frage stellen, was man für sich tut. Schenkt man dem eigenen Körper genau die gleiche Aufmerksamkeit, die das Tier erhält? Macht man sich beim Blick in den Spiegel und beim Wechsel der Jahreszeiten genau die gleichen Gedanken, was man zur Prophylaxe tun könnte? Vorsorge macht Sinn, wenn sie gut durchdacht ist.

Sie ist sinnvoll, wenn man sein Tier gut kennt, über die Ernährung und die gegebene Pflege bereits alles richtig macht und hier und da eine hilfreiche Maßnahme einsetzen möchte.

Sie macht keinen Sinn, wenn man blind Werbeversprechen vertraut und mehr Masse als Klasse präventiv dem Tier verabreicht. In diesem Fall ist der Schaden größer als der Nutzen.

Ich weiß, das Internet ist verlockend. Es gibt unendlich viele vermeintliche Fachseiten, die so wunderbare Texte mit Prophylaxe-Empfehlungen besitzen, dass man sich im Nu dabei ertappt diverse Präparate im passend verlinkten Online-Shop bestellt zu haben. Lass es. Schlaf lieber eine Nacht drüber und hole dir kompetente Hilfe, von jemandem, der sich dank einer fundierten Ausbildung mit alternativen Therapien auskennt und hier gerne mit Rat unterstützt.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

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Wo du auch wohnst, ich helfe deinem Tier und dir gerne durch meine langjährigen Erfahrung als Tierheilpraktikerin und Tierernährungsberaterin mit meiner Online-Beratung.

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