Kürzlich stolperte ich über eine Email aus dem Jahr 2017, in der eine sehr geschätzte THP-Kollegin und ehemalige Juristin mich und andere THP informierte, was Stand der Dinge hinsichtlich geplanter Änderungen des Tierarzneimittelgesetzes wäre. Vier Jahre ist das nun her. Und nun wurde ich kurz vor meinem Praxisurlaub vom Verband informiert, dass es nun also kommen wird – das neue Tierarzneimittelgesetz. Leider ohne das all die Gespräche seitens der Verbände etwas bewirkt hätten. Es scheint, als wäre das Gegenteil eingetreten…

WORUM GEHT ES?

Das Tierarzneimittelgesetz wurde überarbeitet. Es sei sinnvoll, so viele Befürworter des Gesetzes. Primär haben diese aber nur das Thema Antibiotika auf dem Schirm. Und auch da laufen derzeit so einige Petitionen online, weil es auch hier starke Einschränkungen für Haus-/Heimtiere gibt.

Was die meisten aber gar nicht berücksichtigen oder wissen: Es geht auch darum, dass gewisse alternativ, therapeutische Mittel wegfallen werden. Zumindest werden Tierheilpraktiker und sonstig tierisch Tätige diese nicht mehr empfehlen können. Und auch Tierhalter können sich diese nicht mehr ohne tierärztliches Rezept besorgen.

Denn der neue Gesetzestext regelt, dass für Menschen zugelassene oder registrierte apothekenpflichtige Fertigarzneimittel nicht mehr für Tiere (auch nicht für Haus-/Heimtiere) zulässig sind. Sprich tierisch Tätige (mit Ausnahme von Tierärzten) dürfen also diese Präparate nicht mehr schriftlich oder mündlich empfehlen. Und auch Tierhalter können ohne Rezept des Tierarztes diese nicht mehr beziehen. Dazu gehören:

  • homöopathische Einzelmittel
  • sehr viele Probiotika mit denen ich arbeite, sowie auch verschiedene Pankreasenzyme
  • einige Phytotherapeutika (speziell Fertigpräparate)
  • Blutegel

EINE FORM VON BERUFSVERBOT

Es ist eine Form von Berufsverbot für den ein oder anderen Kollegen, gerade wenn man z.B. „nur“ klassische Tierhomöopathie anbietet. Hier gibt es kaum Einzelpräparate mit ad us vet – Hinweis, die also speziell für Tiere genutzt werden können und die man dann nach dem 28.01.2022 noch empfehlen dürfte. Somit bedeutet dieses neue Gesetz tatsächlich für einige Kolleg/innen das Aus. Sie dürfen repertorisieren, sprich einen Fall aufnehmen und durcharbeiten, aber keine Einzelmittel empfehlen. Das ist sinnfrei!

Auch meine Praxis ist von dem neuen TAMG betroffen. Denn ich arbeite mit vielen Präparaten, die eigentlich für Menschen und apothekenpflichtig sind. Dazu gehören einige Darmaufbaupräparate, Leber-Mittel…. Ich könnte jetzt nach möglichen Alternativen suchen, die vielleicht anders bestückt sind, weniger Inhaltsstoffe haben, dafür aber beim Tier einsetzbar sind. Aber wenn ich diese doch vorher schon nicht genutzt habe, wird das wohl seine Gründe gehabt haben….

Die Tierhomöopathie weiterführen, so wie ich es seit mehr als 10 Jahren tue, kann ich für meine Praxis schomal ganz lassen.

Ja klar, für einige der von mir angebotenen Therapiemethoden könnte es weitergehen. Nahrungsergänzer, wie Vitalpilze darf ich empfehlen. Bachblütenempfehlungen kann ich auch noch geben. Auch die klassische Ernährungsberatung könnte ich noch machen.

MEINE BERUFUNG WIRD KASTRIERT

Aber das wofür ich jeden Tag voller Herzblut in die Praxis gehe, womit ich viele Menschen und ihre Tiere begleiten durfte, das wird mir leider größtenteils genommen. Es wird z.T. so stark eingeschränkt, dass ich – wenn ich mir aktuelle Therapieempfehlungen ansehe – jetzt schon weiß, was alles nicht mehr geht. Und ohne das macht für mich eine Therapieempfehlung nur noch wenig Sinn.

Selbst wenn es sicher viele Kolleg/innen gibt, die das alles nicht so eng sehen, die meinen heutigen Blog-Artikel dazu auch sehr reißerisch betrachten, es wäre übertrieben: Es ist einfach trauriger Fakt, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Es wird eine Veränderung kommen.

Veränderungen sind gut. Müssen auch sein. Aber muss DAS kommen? Eine Art Hexenverbrennung im Jahr 2021/22? Wer hat wem die Butter vom Brot genommen? Es tut mir für einige Kolleg/innen unendlich leid, die sich durch Corona mit Einschränkungen retten konnten, seit vielen Jahren mit so viel Energie und Herzblut an ihrer Selbständigkeit arbeiten und für die es „so“ jedenfalls nicht weitergeht.

Was meine eigene Praxis betrifft, hadere ich noch mit dem was da kommt. Aber fest steht, dass auch ich in 2022 nicht mehr so betreuen kann, wie das meine Kunden von mir gewohnt sind. Es wird für mich irgendwie weitergehen, aber nicht mehr in dem Maße und auch nicht eingeschränkt. Denn ich mache etwas entweder ganz oder eben gar nicht.

was kannst du tun?

Der Tierärzteverband hat zum Thema Antibiotika-Einsatz für Haus-/Heimtiere eine wichtige Petition gestartet, in der auch du dich eintragen kannst. Es muss – das ist immer so bei Petitionen – eine gewisse Anzahl an Stimmen zusammenkommen, damit man „Gehör“ findet. Deshalb wäre es gut und wichtig mitzumachen. Du findest die Petition hier: Online-Kampagne

Eine Petition bzgl. der alternativen Therapien gibt es aktuell noch nicht, allerdings laufen einige Aktivitäten im Hintergrund, die ich verfolge und zu denen ich – wenn es spruchreif ist – auch noch Stellung nehmen werde.

OMM – TIEF DURCHATMEN UND ABWARTEN

Aktuell heißt es wirklich abwarten was die Petition der Tierärzte bringen wird und auch was seitens der Berufsverbände der einzelnen Tierheilpraktiker bzw. tierisch Tätigen noch kommen wird und erreicht wird. In jedem Fall werde ich über dieses sehr wichtige Thema weiter berichten und Updates geben.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

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