Sonja Tschöpe -Schonkost für Haustiere

Jeder Tierbesitzer kennt Durchfall oder Erbrechen. Ich wage zu behaupten, dass es Symptome sind, die man mindestens einmal mitgemacht hat. Oft kommen sie dann, wenn man weder mit ihnen rechnet noch sie gebrauchen kann. Und je nach Schwere des Verlaufs ist sofortiges Einschreiten zwingend notwendig. Insbesondere wenn man nach einem Hundespaziergang die Aufnahme von Giftködern nicht ausschließen kann. Hier lautet meine dringende Empfehlung: Ab zum (ggf. notdiensthabenden) Tierarzt!

Wenn die Verdauung erste Hilfe braucht

Wie auch bei uns Menschen geht es unseren Tieren nach Erbrechen und Durchfall meist ähnlich schlecht. Der Kreislauf kann zusammensacken. Das Tier fühlt sich schlapp, möchte seine Ruhe. Ist die erste Krise überwunden, versucht man das Hungergefühl zu bändigen und stürzt an den Napf. Fatal wäre nun zurück zur Tagesordnung zu gehen, denn oft ist eine vorübergehende Schonkost die bessere Alternative. Vielleicht hast du in diesem Zusammenhang schon einmal von der Morosuppe gehört? Auch ich schwöre auf sie. Nicht nur bei Tierpatienten, auch bei mir und meiner Tochter. Was an ihr so besonders ist, verrate ich dir gerne.

EIN HOCH AUF MORO

Der Arzt Ernst Moro (1874-1951) fand Anfang des 20. Jahrhunderts heraus, dass die Kindersterbe- und Komplikationsraten bei Erkrankungen mit Durchfall deutlich gesenkt wurden, wenn man den Patienten eine Suppe aus Karotten, Salz und Wasser vorsetzte. Wichtig war, dass die Karotten länger als 90 Minuten gekocht wurden. Bei diesem langen Kochvorgang entstehen Oligogalakturonide. Diese gering sauren Galakturonide werden aus natürlichen Quellen (Grundstoff Pektin) durch Umwandlung gewonnen. Sie docken im Darm an Krankheitskeimen an und helfen bei der Heilung. Quasi ein natürliches Antibiotikum, wenn man so möchte. Sie unterstützen die Darmflora und sorgen dafür, dass man sich hoffentlich schneller besser fühlt.

Die sogenannte Moro-Suppe ist meine Nummer 1 für Hunde (aber auch für Katzen und die kleinen Heimtiere), wenn im Gastrointestinaltrakt irgendwo etwas nicht stimmt. Hunde erhalten sinnvollerweise 2 Tage ausschließlich Schonkost, sprich Karottensuppe. Katzen bekommen aufgrund ihres komplexen Stoffwechsels etwas Moro-Suppe zusätzlich zu ihrer gewohnten Ernährung. Auf Kaninchen und co. gehe ich im weiteren Text noch ein.

Gekocht wird sie mit wenigen Zutaten. Alles was man dazu benötigt sind Karotten, etwas Wasser und wenig Salz. Die Menge der Zutaten nimmt man je nach Tierart und Größe. Es macht jedoch nichts, wenn man zuviel kocht – zur Not isst man selbst davon.

Ich verwende in der Regel 500 g Karotten und köchele diese in 1 Liter Wasser etwa 2 Stunden bei sehr geringer Hitze. Anschließend püriere ich die Karotten und messe, wie viel Liter Suppe sich im Topf befinden. Sind es weniger als 1 Liter füge ich etwas Wasser hinzu, um wieder auf 1 Liter Menge zu kommen. Weiterhin werden 2 g Salz eingerührt. Und das war es auch schon.

Danach kann man entweder die Menge in Tagesportionen abfüllen und kalt stellen oder sogar portionsweise einfrieren.

Hunde dürfen durchaus 2 Tage nur Karottensuppe erhalten. Leider haben die wenigsten darauf Appetit. Deshalb lasse ich oft etwas gegartes Hühnchenfleisch zugeben. Von Reis nehme ich Abstand, denn Reis entzieht dem Körper Wasser und belastet den Darm unnötig. Für mich wäre das nachteilig, denn ich möchte die Verdauung schließlich schonen und bei der Genesung unterstützen.

Was man auch machen könnte wäre mehrere Hühnerschenkel zusammen mit der Karottensuppe zu köcheln, jedoch vor dem Verfüttern den Schenkel zu entfernen. So schmeckt die Karottensuppe nicht ganz so fad für den Hund.

Bei Katzen, die aus Ballaststoffen wenig ziehen können, sollte man 1-2 TL Karottensuppe ins Futter einrühren. Einige mögen diese jedoch gar nicht, so dass es hier ein kleines Glücksspiel sein kann, ob Miez es überhaupt frisst.

SCHONKOST FÜR DIE KLEINEN HEIMTIERE

Kaninchen- und Meerschweinchenbesitzer kennen sicherlich den uralten und immer noch geläufigen Tipp, bei Durchfall eine Heu-Wasser-Diät umzusetzen. Bitte Finger weg! Es erscheint vielleicht im ersten Moment logisch, dass man versucht Durchfall zu stoppen, in dem man etwas Trockenes zufügt. Doch trockene Halme (Heu) sorgt für eines: Es entzieht dem Körper Wasser. Der Körper hat also nicht nur Flüssigkeit per Durchfall verloren, er muss nun auch noch weitere bereitstellen, um überhaupt das Trockene zu verdauen. Selbstverständlich könnte das Kaninchen oder Meerschweinchen über das angebotene Trinkbehältnis Wasser aufnehmen, viele tun das jedoch nicht ausreichend. Überschüssiges Calcium aus der trockenen Kost setzt sich in den Harnwegen ab. Das eine Problem wird versucht gelöst zu werden, ein neues wird geradewegs produziert: die Sedimentbildung im Urin.

Wer sein kleines Heimtier also sinnvoll während eines aufgetretenen Durchfallsymptoms unterstützen möchte, sollte lieber Wurzelgemüse und Obst (mit Ausnahme von Apfel) vorerst vom Speiseplan streichen und auf blattreiche, frische Kost (also frische Wiesenkräuter, Gräser, Küchenkräuter, wenig Blattsalate) setzen. Auch Fenchel samt Kraut hat eine beruhigende Wirkung auf die Verdauung und darf angeboten werden. Außerdem kann geriebener Apfel in kleinen Mengen helfen. Daneben kann man leicht angeriebene Anis-, Fenchel- oder Kümmelsamen in Kleinstmengen anbieten, was die Verdauung ebenfalls beruhigt.

Die Morosuppe könnte man auch für diese Pflanzenfresser kochen und abgekühlt in einer Einwegspritze oral verabreichen. Allerdings sollte die Ernährung während des Durchfalls nicht ausschließlich daraus bestehen.

PULVERISIERTE / FERTIG-MOROSUPPE

Pfiffige Hersteller haben die Morosuppe in Pulverform in den Handel gebracht. Oder fertig gekocht im Gläschen oder in der Dose. Ich halte davon nichts! Sicherlich fühlt man sich wohl, weil man sie immer griffbereit im Haus hat. Doch sei mal ehrlich: Es ist kein großer Aufwand ein paar Karotten zuzubereiten. Und du kannst dir darüber hinaus auch sicher sein, dass sie länger als 90 Minuten gekocht wurden, wenn du einen Blick auf die Uhr hast! Denn nur dadurch bringen sie der Verdauung die wertvolle Hilfe. Zudem wird nichts weiter zugefügt als das, was auch Moro seinen Kinderpatienten vorgesetzt hat und was half: Karotten, Wasser, Salz!

ZURÜCK ZUM SPEISEPLAN

Ist alles überstanden, kann man langsam zur Tagesration zurückkehren. Lieber die ersten Tage kleine Rationen über den Tag verteilt anbieten als eine große Portion. Das Tier auch beobachten, wie es ihm nach der Futteraufnahme geht. Treten abermals Symptome auf, würde ich nicht lange fackeln und das Tier dem Tierarzt vorstellen, sofern man dort nicht sowieso schon war. Dabei sollte dann auch eine frische Kotprobe direkt abgegeben werden, damit diese auf Parasiten untersucht wird.

Wenn du zum Thema noch etwas für die Ohren haben magst, klick doch zur passenden Podcast-Episode meiner Tiersprechstunde. Dort geht es um das Erbrechen beim Hund und eben auch um die Schonkost.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

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