PROPHYLAXE BEI TIEREN

Sinnvoll oder Sinnfrei?

Prophylaxe – sinnvoll oder sinnfrei?

Okay, ich gebe zu, es ist noch Spätsommer, doch der Winter naht und mit ihm die Jahreszeit, in der wir Menschen bekanntermaßen uns tagtäglich vor Viren und Bakterien retten, um nicht danieder zu liegen. Das Thema Prophylaxe ist gerade am Ende des Sommers ein beliebter Suchbegriff bei Tante Google. Hand aufs Herz: Sie haben sicherlich auch schon einmal im Internet recherchiert, eins ihrer Bücher studiert oder aber sich in einem Forum oder einer Facebook-Gruppe ausgetauscht, was man vorsorglich sich und seinem Tier Gutes tun kann. Damit es gesund bleibt, sich wohler fühlt oder aber bestimmte Beeinträchtigungen trotz fortgeschrittenen Alters gar nicht erst auftreten. Prophylaxe ist die Prävention, die Vorsorge, dass das Lebewesen nicht krank wird.

 

Der Markt an derartigen Zaubermittelchen boomt. Es gibt unendlich viele Produkte ganz unterschiedlicher Art, egal ob für Hund, Katze, Kaninchen und co. Und jährlich erscheinen neue Präparate, die dabei helfen sollen, dass das Tier dank einem stabilen Immunsystem Wind und Wetter gewappnet ist.
Was man dabei an Geld loswerden kann – wow! Es scheint, als wäre die Gesunderhaltung definitiv kein Schnäppchen! Nun gut, schließlich ist die Gesundheit auch sehr kostbar, nicht wahr?

 

Ich muss gestehen: Ich bin früher auch auf jeden Zug aufgesprungen, wenn es um das Wohl meiner Tiere ging. Man konnte mit einem ansprechenden Werbeplakat, einem tollen Slogan und einigen scheinbaren Beweisbildern meine Überzeugung gewinnen. Ich habe nicht groß nachgedacht, ob die Menge der enthaltenen Wirkstoffe oder aber die Höhe der Dosierung wirklich sinnvoll ist. Ich hatte ein gutes Gefühl, wenn gleich nicht immer ein Erfolg sichtbar war. Gut, sagte ich mir das ein oder andere Mal, vielleicht hast Du es nicht richtig angewandt. Vielleicht war aber auch die Erkrankung zu schwerwiegend, so dass man gar nichts vorsorglich hätte tun können. Blieb mein Tier jedoch gesund, dann musste es natürlich genau wegen jenem Präparat sein.

 

Heute bin ich diesbezüglich etwas skeptischer. Und das ist gut so. Warum ein kritischer Blick und ein tieferes Nachdenken sinnvoll ist, möchte ich Ihnen im heutigen Blog an die Hand geben.

 

 

VIEL HILFT NICHT VIEL!

 

Man kann mit einer Kanonenkugel auf einen Spatz schießen und trifft ihn dennoch nicht. Genauso verhält es sich mit einer Unmenge an Wirkstoffen, die man über ein sogenanntes Kombipräparat oder aber die zeitgleiche Gabe mehrerer Einzelmittel vorsorglich verabreicht. Das größte Problem ist, dass je nach Kombination sich Wirkstoffe untereinander aufheben können. Die Minze ist ein bekanntes Beispiel. Sie kann die Wirkung homöopathischer Mittel beeinflussen. Kombiniert man zum Beispiel ein Minze enthaltendes Kräuterprodukt mit einem homöopathischen Einzel- oder Komplexpräparat, kann man die Gabe auch gleich ganz lassen.

 

Wer darauf schwört, viel geben zu müssen oder aber dazu laienhaft genötigt wird, sollte sich lieber überlegen was genau als prophylaktische Vorsorge oberste Priorität hat. Soll das ansonsten gesunde Tier gut durch den Winter kommen, reicht oftmals bereits neben der gesunden, tiergerechten Ernährung ein einziges gut ausgewähltes Mittel aus.

„Nicht Masse, sondern Klasse! Lieber ein gut gewähltes Vorsorgepräparat für ein wichtiges Symptom,
als eine Unmenge an Mittelchen, von denen man letztlich nicht weiß,
ob es überhaupt etwas bringt und wenn ja, was genau davon.“

 

Für Hunde und Katzen könnte das z.B. Hagebuttenpulver sein. Läuft im Winter der Hund schlechter, weil er vielleicht bereits ein fortgeschrittenes Alter hat und mit Nässe und Kälte nicht gut zurecht kommt, kann man ihm neben einem entsprechenden Winterschutz (oh ja, auch Hunde dürfen Mantel tragen) z.B. mit Grünlippmuschelpulver oder einem passenden Vitalpilz unterstützen. Das heißt hier wird nicht der Fokus auf gib viel, damit möglichst alles abgedeckt wird, gelegt. Es wird viel eher genau geprüft, was macht am meisten Sinn.

 

Sie kennen Ihr Tier! Nur Sie alleine wissen, ob der Jahreszeitenwechsel eher zu einem Infekt der Atemwege führt oder aber die Gelenke belastet. Und dieses Wissen sollten Sie nutzen, um aus dieser Vielzahl an vielversprechenden Produkten das Eine zu finden, welches für Ihren tierischen Liebling vollkommen ausreicht. Wenn Sie sich damit überfordert fühlen, sprechen Sie mich an oder wenden sich an einen ausgebildeten Tierheilpraktiker in ihrer Nähe oder an den Tierarzt Ihres Vertrauens.

 

MUSS ES DENN ÜBERHAUPT EIN ZUSATZ SEIN?

 

Nein! Und das kann ich ganz klar beantworten. Wer sein Tier gesund ernährt, setzt das Wichtigste bereits um. Das Tier bekommt über die ausgewogene Nahrung alle nötigen Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, um gesund zu bleiben. Das heißt für Hund und Katz entweder die Fütterung mittels BARF oder aber einem hochwertigen Nassfutter und für die kleinen Heimtiere (Kaninchen/Meerschweinchen) ein Angebot aus zahlreichen Wiesenkräutern, Küchenkräutern, Blättrigem, wenig Gemüse und Obst.
Ich habe fast 20 Jahre an der Seite von bezaubernden Kaninchen gelebt. Je tiergerechter die Ernährung war, umso weniger Zusätze brauchte ich, da die Tiere wesentlich gesünder waren und dank eines stabilen Immunsystems besser durch die Jahreszeiten gekommen sind.

 

Selbst unsere 18jährige Katze bekommt außer der täglich notwendigen medikamentösen Gabe aufgrund eines Altersherz keine Extra-Supplemente. Stattdessen wird sie roh ernährt und ich kann durch den Einfluss, den ich mit dieser Fütterungsart auf ihren Stoffwechsel nehme, auf recht stabile Nierenwerte blicken (trotz ihrer chronischen Niereninsuffizienz). Das heißt ich habe durch eine optimale Ernährung eine großartige Wirkung auf ihre Gesundheit genommen, was mich ausgesprochen freut. Schließlich möchten wir sie noch möglichst lange bei uns haben.
Zusammengefasst bedeutet das: wer sein Tier gesund ernährt, kann sich oftmals diverse Mittelchen „schenken“. Ist die Ernährung nicht optimal, lohnt sich der Weg zum Ernährungsberater.

 

DAUERHAFTE GABEN IN ORDNUNG?

 

Von einer täglichen Gabe lebenslang, möchte ich an dieser Stelle dringend abraten. Insbesondere dann, wenn das Tier eigentlich gesund ist, man aber irgendwo recherchiert hat, wenn es X bekommen würde, Y nie ausbrechen wird. So funktioniert das nicht! Wir suchen, und da schließe ich mich durchaus mit ein, nach dem Geheimrezept, mit dem wir das Leben verbessern und verlängern. Was man heute weiß ist, dass die richtigen Grundlagen (richtige Ernährung, wenig Stress, genügend Schlaf, genügend Bewegung) schon einmal entscheidend sind. Also sollte der Fokus erst einmal darauf gelegt werden.

 

Ist das bereits das Optimum, werden Sinn und Nutzen geprüft. Braucht mein Tier wirklich etwas? Wenn ja, wegen welchem Symptom möchte ich etwas geben? Hat man sich dazu die notwendigen Gedanken gemacht, kann man im Folgeschritt differenzieren, wie man es umsetzen möchte. Gibt es etwas, das man über die Ernährung geben kann, z.B. im Rahmen einer Vitaminergänzung oder eines Öls oder aber über ein bestimmtes Heilkraut? Oder muss es etwas sein, dass man über die örtliche Apotheke in Form von Pulver oder Globuli bekommt? Hat man „sein Mittel“ dann gefunden, wird über die Dosierung und Dauer der Gabe geprüft, ob die gewünschte Wirkung überhaupt eintritt. Passiert nämlich nichts, sollte möglichst frühzeitig abgewogen werden, ob man überhaupt damit weitermacht. Ich würde spätestens an dieser Stelle einen fachkundigen tierisch Tätigen ins Boot nehmen. Denn ganz ehrlich: Lieber einmal vernünftig investiert, als im Nachgang unnötig viel Geld zum Fenster herausgeworfen zu haben. Oft hätte man sich den Tierheilpraktiker durchaus leisten können, wenn man die wertvollen Finanzen besser angelegt hätte. Das nur am Rande.

 

Funktioniert natürlich ein Mittel gut, kann man abwiegen, ob man es längerfristig einsetzt. Hier kommt es jedoch auf die Art des Präparats an. Ein homöopathisches Einzelmittel würde ich als ausgebildete Tierhomöopathin niemals ohne eine entsprechende Verordnung eines Fachmanns langfristig einsetzen. Denn genauso wie es hilft könnte es schaden. Und dann gibt es eine Vielzahl an Mitteln, bei denen man sich bei näherem Blick fragen sollte, ob das was enthalten ist alles so sinnvoll und langfristig unschädlich ist, weshalb ich auch hier immer fachkundigen Rat einholen würde.

 

 

RESÜMEE: IST DIE PROPHYLAXE NUN SINNVOLL ODER SINNFREI?

 

Ganz so einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. Es kommt immer darauf an, ob man mit einer gezielten Vorsorge etwas erreicht. Hat man sein Hausmittelchen für ein bestimmtes Symptom gefunden, was dem tierischen Liebling präventiv hilft, dann ist alles Bestens. Möchte man jedoch nur etwas geben, um etwas zu tun, um ein gutes Gefühl zu haben und weil es als wahres Wundermittel doch so angepriesen wird: Finger weg. In diesen Fällen sollte man sich selbst einmal die Frage stellen, was man für sich tut. Schenkt man dem eigenen Körper genau die gleiche Aufmerksamkeit, die das Tier erhält? Macht man sich beim Blick in den Spiegel und beim Wechsel der Jahreszeiten genau die gleichen Gedanken, was man zur Prophylaxe tun könnte?
Vorsorge macht wirklich Sinn, wenn sie gut durchdacht ist.

 

Sie ist sinnvoll, wenn man sein Tier gut kennt, über die Ernährung und die gegebene Pflege bereits alles richtig macht und hier und da eine hilfreiche Maßnahme einsetzen möchte.

Sie macht keinen Sinn, wenn man blind Werbeversprechen vertraut und mehr Masse als Klasse präventiv dem Tier verabreicht. In diesem Fall ist der Schaden größer, als der Nutzen.

 

Ich weiß, das Internet ist verlockend. Es gibt unendlich viele vermeintliche Fachseiten, die so wunderbare Texte mit Prophylaxe-Empfehlungen besitzen, dass man sich im Nu dabei ertappt diverse Präparate im passend verlinkten Online-Shop bestellt zu haben. Lassen Sie es. Schlafen Sie lieber eine Nacht drüber und holen Sie sich kompetente Hilfe, von jemandem, der sich dank einer fundierten Ausbildung mit alternativen Therapien auskennt und hier gerne mit Rat unterstützt.

 

Gerne können Sie mich über mein Kontaktformular ansprechen. Vielleicht kann ich etwas für Ihr Tier tun. Alternativ biete ich Ihnen an, wenn Sie mir Ihre PLZ und Ihren Wohnort verraten, einmal in meinem Netzwerk nachzusehen, wo sich in Ihrer näheren Umgebung ein/e kompetente/r Tierheilpraktiker-Kollege/in versteckt hat. Letzteres natürlich kostenfrei und unverbindlich.

 

Kommen Sie gut durch die Jahreszeiten!
Von Herzen alles Liebe für Sie.

 

DIE AUTORIN

 

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin und Ernährungsberaterin (für Hund und Katze) mit mobiler Praxis. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit mehr als 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin, das heißt ihre Patienten bekommen nur soviel verordnet wie zwingend notwendig ist und das nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, gibt sie dies direkt kund. Mit ihrer Familie und der Katzenseniorin Mischu lebt sie in der Nähe von Düsseldorf.

P.S.

 

Wenn Sie sich angesprochen fühlen und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

Sonja Tschöpe – Tierheilpraktikerin

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