Hey Hundefreund/in,

wenn du um 8.45 Uhr im Home-Office sitzt und es sturmklingelt, du noch etwas müde zur Tür gehst und ein Familienmitglied im Türrahmen steht und sagt, unser Hund wäre von einem anderen Hund attackiert worden und hätte eine Wunde….. Ja, dann ist man wach.

Am 10.05.22 wurde diese Situation für Pipo und mich Realität – die zwei auf dem Foto oben. Meine Schwiegermutter war, wie an manchen Tagen auch, morgens mit ihm eine kleine, erste Gassirunde gegangen. Sie war auf dem Rückweg an unserem Park, als ein Mann mit einem größeren, nicht angeleinten Hund auf den Weg trat. Da sie dort vorbei wollte, aber weder Mann noch Hund kannte und auch nicht wusste, wie gehen die Hunde miteinander um, blieb sie stehen, hielt Pipo dabei „bei Fuß“ und wartete auf eine Reaktion des Herrn.

Der Mann sah sie. Sein Hund hatte natürlich auch schon längst Pipo bemerkt, der uninteressiert im Gras schnüffelte. Der Mann bückte sich zu seinem Hund runter. Meine Schwiegermutter ging davon aus, er würde seinen Hund nun anleinen. Doch als er sich wieder aufrichtete, schoss sein Hund los. Kein Knurren, kein Bellen, ein direkter Sprint auf Pipo und direkt ein Zubeißen in dessen Oberschenkel. Das Schreien unseres Hundes wurde von Anwohnern gehört. Pipo versuchte zu flüchten, was bedingt durch die Leine unmöglich war. Meine Schwiegermutter versuchte dabei selbst nicht zu fallen.

UND WAS DENKST DU, WAS HAT DER HALTER GETAN?

Wenn ich dir nun sage, er hat nichts getan. Kein Wort, kein Signal, nichts. Er ist stattdessen direkt an meiner Schwiegermutter vorbei mit einem Meter Abstand weiter den Weg entlang gegangen. So als ginge ihn das nichts an. So als kenne er den Hund nicht. Er ging ohne Hast einfach weiter, bis sein Hund abließ und ihm folgte. Vielleicht merkst du, wie sprachlos ich bin – wie fassungslos mich das immernoch macht.

Wie lange das dauerte – keine Ahnung. So überraschend es kam, so schnell war alles vorbei.

Bei Pipo war keine Wunde zu sehen. Er verhielt sich relativ normal, schüttelte sich und ging neben meiner Schwiegermutter nach Hause. Dort angekommen fiel bei der Fütterung dann die größere der beiden Bisswunden auf und als ich ihn abtastete war meine Hand blutrot.

Ich dachte nicht groß nach. Es war kurz vor 9, der nächste Tierarzt würde sicher dann öffnen. Also versorgte ich die Wunde notdürftig und eilte zum Doc. Wir wurden als Notfall direkt drangenommen. Die Wunde wurde gesäubert und die größere der beiden musste geklammert werden. Pipo ertrug es tapfer. Aber ich war ein Häufchen Elend. Wut, Trauer, Enttäuschung, Ohnmacht. Völlig neben der Spur, unfähig konzentriert bei der Sache zu bleiben. Alles was ich aber nach diesem Vorfall wusste: Ich muss es anzeigen. Denn es kann andere ebenso treffen.

DU OLLE PETZE

Es ist schon fast ironisch, dass ich einige Zeit vor unserem Erlebnis eine Podcastepisode zu einer anderen Beissattacke hier in meinem Ort aufgenommen habe, bei dem es um folgenden Vorwurf im Social Media ging: „Ob man denn alles anzeigen müsste.“ So quasi, du Petze, warum klärst du es nicht direkt mit dem Halter. Hier findest du die Episode:

In der Podcastepisode hatte der Halter des gegnerischen Hundes noch ne dicke Lippe, entfernte sich aber dennoch vom Ort des Geschehens, ohne seine Daten zu hinterlassen. Und ja, auch bei uns machte sich der Herr aus dem Staub. Warum meine Schwiegermutter ihm nicht nachging? Sicherlich spielt da auch Schock eine Rolle, ebenso wie Angst. Was wenn der Hund nochmal attackiert und was dann?

Nicht jeder Hund muss jeden mögen. Das ist völlig okay. Aber schön wäre es, wenn man sich zumindest zu benehmen weiß oder noch besser: Einen respektvollen Umgang unterstützen würde. Wenn aber der Gassigang zum Revierkampf wird, pöbelnde Hunde einen Freifahrtschein haben und man als Mensch mit Hund an der Leine der every day Depp ist – was läuft da falsch? Was stimmt mit diesen Hundehaltern nicht???

Als ich noch keinen Hund hatte, dachte ich es gebe so etwas wie gewisse Umgangsformen, auch unter Hundehaltern. Pipo zog ein und ich musste lernen, dass es vielen völlig egal war, dass mein Hund bewusst an der Leine geführt wurde. „Der tut nix!“ – waren meist die leinenlosen Hunde, die meinen blöd anmachten. Noch besser: Herrchen/Frauchen ist irgendwo und wo ihr Hund sich aufhält, ist völlig egal. Zurückrufen, damit man in respektvollem Abstand aneinander vorbeigehen kann Fehlanzeige. „Die klären das, das sind Hunde!“ Ja, wir haben viel erlebt in den letzten beiden Jahren, während wir jeden Tag im Dogwalk trainiert haben.

Warum hört bei vielen Hundehaltern die Liebe zur Fellnase beim eigenen Hund auf? Und wenn was passiert, warum kann man nicht Rückrat zeigen, sich wenigstens entschuldigen?

EINE AKTE IM AMT

Obwohl wir direkt das Ordnungs-/Veterinäramt und auch eine Online-Anzeige bei der Polizei eingereicht haben, ist bis dato nichts passiert (Mitte Juni 2022). Weder das unsere Anzeige von der Polizei bearbeitet wurde…. Unter uns: Ein Hund ist nunmal ein Gegenstand, somit ist das vermutlich eine Sachbeschädigung und das darf dann auch unbearbeitet bleiben??? Noch das wir vom Ordnungsamt-/Veterinäramt nochmal was gehört haben…

Stattdessen hatten wir 250 Euro Tierarzt-Kosten und dürfen wieder ins Training der Hundeschule, während dieses Herrchen nebst Hund weiter ihrer Wege gehen, natürlich nun woanders laufen, damit man sich nicht wiedertrifft. Erbärmlich oder?

Danke aber an dieser Stelle an die wirklich schöne Hunde-Community hier im Ort. Sehr viele haben es mitbekommen und wir haben sehr viel Zuspruch erhalten. Leider hat jedoch niemand Hund oder Herrchen nochmal gesehen… Klaro, der läuft nun woanders spazieren, bis genug Gras über die Sache gewachsen ist. Ich kann nur hoffen, dass er dennoch aus der Sache gelernt hat, sein Hund nicht mehr unangeleint auf andere Hunde trifft und er selbst das nächstes Mal mehr Eier in der Hose hat. Ansonsten Karma „baby“!

BEISSVORFALL – WAS TUN?

Solltest du in einen solchen Vorfall verwickelt werden, prüfe immer direkt ob es zu Verletzungen bei deinem Tier kam oder kläre ab, ob dein Hund einen Schaden am anderen Hund verursacht hat. Tauscht bitte in jedem Fall eure Daten aus. Im Falle von Wunden den Tierarzt kurzfristig hinzuziehen oder sogar eine notdiensthabende Tierklinik.

In der Regel übernimmt die Kosten für dein Tier, ggf. auch für dich die Haftpflichtversicherung des „gegnerischen Hundes“.

Wenn es keine Einigung gibt oder aber sich der vielleicht dir bekannte Hundehalter aus dem Staub macht, empfehle ich dir eine anwaltliche Beratung. Es gibt in Deutschland einige Anwälte, die sich auf Tierrecht spezialisiert haben, wie z.B. Gianna Chiappa von der Kanzlei Tier im Recht. Ich persönlich würde immer auch das Ordnungs-/Veterinäramt ins Boot nehmen. Mache Fotos, scanne ggf. die tierärztliche Rechnung ein und sende es via Email ans Ordnungsamt deiner Stadt/Gemeinde mit einer detaillierten Beschreibung zum Hergang. Die Anzeige bei der Polizei haben wir in erster Linie gemacht, weil der Halter einfach so verschwand…

Je nachdem wie oft deinem Hund solche Begegnungen widerfahren sind, kann sich sein Charakter verändern. Vom unsicheren Hund zum Angstbeisser oder Leinenpöbler. Such dir bitte einen fähigen Hundehalter, der dich und deinen Hund dabei unterstützt, dass ihr wieder Spaß beim Dogwalk und bei Hundebegegnungen habt.  Und arbeite auch an dir! Ich weiß sehr gut, wie vorsichtig man bei Begegnungen wird und das spürt das andere Ende der Leine zu gut. Es ist wichtig, dass ihr daran zusammenarbeitet, damit der Spaziergang wirklich wieder beiden Freude macht, locker ist und eben nicht zur Zitterpartie wird.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

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Wo du auch wohnst, ich helfe deinem Tier und dir gerne durch meine langjährigen Erfahrung als Tierheilpraktikerin und Tierernährungsberaterin mit meiner Online-Beratung.

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