Die Haut ist das größte Organ. Das ist dir vielleicht noch aus dem Biologie-Unterricht geläufig. Sie ist nicht nur eine Art Schutzmantel. Sie atmet und entgiftet. Sie kann wichtige Nährstoffe speichern. Nebenbei gilt sie als Spiegelbild der Seele und das lässt sich mit dem Satz „sich nicht wohl in der Haut fühlen“ sehr leicht beschreiben. Denn Gemütsbelastungen können Auswirkungen auf die Haut und das Fell des Tierfreundes haben.

PIPO STINKT

Als unser Hund Pipo einzog, müffelte er nicht nur. Er stank. Äußerst unangenehm. Man konnte den 4 Monate alten sympathischen Hund überhaupt nicht gut riechen. Wir badeten ihn. Einmal, zweimal. Es brachte nichts. Pipo stank. An seiner Haut selbst war nichts zu erkennen. Astrein, sauber. Das Fell vielleicht etwas stumpf. Der Grund warum Pipo so stark roch lag auf der Hand. War er zuvor tierschutzbedingt eher suboptimal gefüttert worden. Zusätzlich hatte er starken Stress. Eingefangen in Spanien und mit seiner Familie dann per Auto nach Solingen ins Tierheim gekommen.

Das neue Umfeld veränderte sich wieder. Seine Mutter und die Brüder wurden vermittelt. Und dann hatte auch Pipo bei uns endlich seinen Platz. Aber auch hier alles neu. Neue Geräusche, neue Gerüche. Vor allen Dingen aber plötzlich neues, hochwertiges Futter. Seine Haut atmete und das sehr sehr streng. Der Geruch blieb einige Wochen. Mittlerweile ist aus dem kleinen struppigen Hündchen ein stolzer Junghund geworden, der absolut neutral duftet.

Das Beispiel an meinem eigenen Hund zeigt sehr deutlich, wie eng gewisse Faktoren, die wir vielleicht nicht zwingend mit der Haut in Verbindung bringen, doch sehr viel mit ihr zu tun haben. Und genau das erlebe ich bei Patientenhunden immer wieder. Juckreiz oder schlechte Gerüche müssen nicht immer etwas mit Parasiten zu tun haben. Auch wenn ich einen möglichen Befall zu Beginn einer therapeutischen Begleitung gerne ausschließen lasse. Oft liegt es am Gemüt (Stichwort: Spiegelbild der Seele) und/oder an der (oft ausbaufähigen) Futterzusammensetzung.

CHILL MAL DIE BASE

Bei Pipo haben wir zu Beginn alles falsch gemacht, was man an Aktivitäten falsch machen konnte. Ein junger Hund, sehr aktiv. Der will spielen. Der muss beschäftigt werden. Der muss „müde gemacht“ werden. Und so warfen wir wochenlang Bällchen, machten endlose Spaziergänge und bekamen dann durch unsere Hundetrainerin plötzlich die rote Karte. Sie schlug die Hände über den Kopf zusammen und klärte uns darüber auf, wie viel Schlaf ein junger Hund brauchen würde.

„Willst du einen ruhigen, souveränen Hund (was mit gewissen „Terrier-Anteilen“ ja eh schon schwer genug ist), dann musst du ihm genügend Ruhe geben.“ O-Ton Hundetrainerin. Also beendeten wir das gut gemeinte und zogen die Notbremse. Und siehe da. Auf einmal war der Tag strukturiert und mit jedem weiteren Tag wurde auch unser Zusammenleben entspannter.

Eigentlich etwas völlig Verständliches. Selbst bei Kindern heißt es: Kinder müssen schlafen lernen. Und als Mutter einer Tochter erlebe ich seit 6 Jahren sehr deutlich, wie eng Kinder- und Hundeerziehung sich ähneln. Möchte ich ein entspanntes Kind, braucht es ein entspanntes Umfeld. Will ich einen gechillten Hund, braucht es auch hier einen entsprechend strukturierten Tag.

DIE VERGANGENHEIT LOSWERDEN

Doch viele meiner Patientenhunde bringen eine unglaubliche Geschichte mit ins neue Zuhause. Viele haben einen ziemlich großen Koffer an Erlebnissen dabei, sogenannte Traumata. Manches begründet in Erfahrungen durch falsche Erziehung, falsche Begegnungen. Anderes ist im Laufe der Zeit „einfach so“ entstanden und hat den Charakter des Hundes geformt.

Viele meiner Haut-Patienten sind tatsächlich unsichere Hunde, denen man das nicht immer auf den ersten Blick ansieht. Doch selbst hinter einem lauten Bellen und ´ner großen Klappe, kann tatsächlich ein Hund ohne Selbstvertrauen stecken. Zwar kann man oberflächlich versuchen auf Haut-Symptome einzugehen. Doch wenn man sich der Tierseele nicht widmet, wird es nur unzureichend helfen.

DU BIST WAS DU FRISST

Konnte ein parasitärer Befall ausgeschlossen werden, dann wird hinter einer Haut-Symptomatik meist eine allergische Reaktion auf eine Futterkomponente vermutet. Da viele Haut-Opfer zusätzlich eine schlechte Verdauung haben (Durchfall, Verstopfung, Blähungen o.ä.), wird dann eine Futtermittelallergie diagnostiziert. Die meisten meiner Patienten haben über Bioresonanz ausgewertet einen genauen Plan bekommen, was ab sofort tabu in der Fütterung sein muss.

Doof nur, wenn trotzdem das Leiden weiter geht. Denn es ist nicht nur in der Veränderung der Fütterungskomponenten getan. Je schlechter die Ernährung bislang war, umso schlechter ist die Zusammensetzung der Darmflora. Als Konsequenz muss ich mich erst einmal vernünftig um diese kümmern, sie aufbauen und ihr langfristig mehr Aufmerksamkeit schenken.
Dann klappt es meist auch besser die hochwertigen Nährstoffe aus der Nahrung zu verwerten. Dem Hund geht es dann nicht nur in Sachen Verdauung besser. Er wird auch angenehmer riechen, sich vielleicht weniger kratzen oder Fell verlieren.

DEIN FAHRPLAN BEI HAUTBAUSTELLEN

Stress, Traumata und Junkfood. Es ist also möglicherweise die Kombination aus mehreren Faktoren, die der Schlüssel dafür sein kann, warum dein Hund sich kratzt, sich offene Hautstellen zufügt, die nur schwer wieder zuwachsen. Was aber dann sinnvoll tun? Wo setzt man an? Kommen wir hier zu einem kleinen Fahrplan, den du zuerst einmal umsetzen solltest.

  1. Ektoparasiten ausschließen
    Der erste Gang ist der zum Tierarzt, der ausschließen sollte, ob ein parasitärer Befall vorliegt.
  2. Kotprofil bei Verdauungssymptomen
    Ist die Verdauung mit involviert, zeigt der Hund Durchfall, sollte in jedem Fall auch ein Kotprofil auf Endoparasiten veranlasst werden.
  3. Fütterung überprüfen
    Es ist kein Hexenwerk das angebotene Futter mal näher unter die Lupe zu nehmen oder vom Tierernährungsberater prüfen zu lassen, ob es für den Hund wirklich so geeignet ist, wie man meint oder wie es einem nahegelegt wurde.

Der nächste Schritt ist dann entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Das kann eine Fütterungsumstellung sein. Und nein, du musst nicht zwingend barfen, auch wenn das für sehr leidgeplagte „Allergiker“ oft das Beste wäre. Denn wenn du die Nahrung selbst zusammenstellst, hast du einen größeren Spielraum. Ich habe einige Hunde in Behandlung, bei denen konnten wir jedoch auch durch hochwertiges Nassfutter vieles erreichen.

Den eigenen Alltag solltest du auch gut prüfen und einmal spiegeln, welche Situationen möglicherweise dazu führen, dass dein Hund zu viel Stress aufnimmt, den er über die Haut loszuwerden versucht. Wie geht es dir selbst? Bist du eher der Fels in der Brandung oder der nervöse Flummy? Je mehr Ruhe und Vertrauen du ausstrahlst, umso besser für deinen Hund.

Das gilt auch für Dogwalks, also Spaziergänge. Wenn Hundebegegnungen zum Spießrutenlauf werden, weil sich dein Hund nicht benehmen kann, weil er andere anpöbelt oder andere Situationen auftreten, horch bitte mal in dich, wie du dich in dem Moment fühlst. Bist du der Buddha für deinen Hund, wie meine geschätzte Hundekollegin Riccarda Kreickmann (Hundegeflüster-Podcast) es so schön sagt oder denkt dein Hund er muss auf dich achtgeben?

WANN KOMMT DER BERATER INS BOOT?

Natürlich ist es immer besser sich möglichst früh fähige Hilfe an die Seite zu stellen. Sei es einen Hundetrainer, der dir und deinem Hund dabei hilft, ein entspanntes Team zu werden. Aber auch einen Tierernährungsberater oder/und Tierheilpraktiker, der mit Hautgeschehen firm ist. Werden dann die richtigen Maßnahmen ergriffen, wird sich dein Hund hoffentlich nach einigen Wochen bereits etwas wohler in seiner Haut fühlen.

Erwarte bitte keine Spontanheilungen. Gerade Hautprobleme brauchen ihre Zeit. Je länger eine Baustelle entstehen konnte, umso länger braucht es sie zu entfernen. Das heißt du musst hier unter Umständen mit 2-5 Monaten Geduld und „Arbeit“ rechnen. Pipo und ich arbeiten übrigens auch noch an uns. Zwar weniger an Hautbaustellen, aber daran ruhiger zu werden. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, also üben wir uns in Geduld und sind zuversichtlich, dass wir es bestimmt schaffen werden.

Zum Thema Juckreiz beim Hund habe ich eine Podcast-Folge für dich. Vielleicht findest du darin auch noch den ein oder anderen interessanten Hinweis, der dir weiterhilft.

Erkrankungen der Haut sind unschön. Und bis man sie im Griff hat oder aber herausfindet, was eigentlich das Problem des Ganzen, also der Auslöser ist, kann einige Zeit vergehen. Ich wünsche dir viel Geduld dabei. Du schaffst das!

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

Online-Beratung - Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

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