Es ist sicherlich DIE Situation, vor der du als Tierhalter genauso große Panik hast, wie ich. Die Aufnahme von Gift! Unser Hund hat einen Giftköder aufgenommen. Meine Katze wurde vergiftet. Eines der Kaninchen hat versehentlich einen giftigen Doppelgänger erwischt. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie ein Tier in einen mitunter lebensbedrohlichen Zustand durch eine Vergiftung geraten kann. Doch was heißt das eigentlich? Was steckt hinter einer Vergiftung und was macht sie so gefährlich?

Toxine im Blut

Egal was ein Tier an Gift aufnimmt, es gelangt über die Verdauung, besser gesagt über den Darm und seine Darmwände in die Blutbahn. Danach geht es für den Großteil weiter in die Leber, die an große Blutgefäße angeschlossen ist. Wie auch die Nieren trägt die Leber den Beinamen Entgiftungsorgan und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass das Gift an ihr nicht vorüberkommt. Das ist teilweise sogar sehr gut. Denn durch ihre Möglichkeit Stoffe umzubauen, versuchen die Enzyme in der Leber die ankommenden Giftstoffe so zu verändern, dass sie abtransportiert und ausgeschieden werden können. Entweder über die Nierenwege, wenn es wasserlösliche Gifte sind. Oder über die Galle, wo sie dann über den Darm und den Kot aus dem Körper gelangen. Ich hatte zuvor notiert, dass ein Großteil der Giftstoffe in der Leber ankommt – allerdings nicht alles. Und das ist das Heimtückische.

Das vergiftete Blut, um es mal so laienhaft auszudrücken, zirkuliert also im Blutkreislauf und ein Teil des Gifts kann sich weiter entfalten. Je höher der Grad der Vergiftung ist, also je größer die aufgenommene Dosis, umso schwerer wird es für alle Beteiligten im Organismus das Ganze zu entkräften. Zellen und Organe werden geschädigt und können versagen.

Die Dosis macht das Gift?

Es kommt aber nicht nur auf die Dosis an, sondern auch auf die Art von Gift und das Tier. Es gibt z.B. Kaninchen, die reagieren auf eine gewisse Aufnahme einer giftigen Pflanze wesentlich stärker als andere. Das hängt weniger mit ihrer Ernährung oder Größe zusammen. Vielmehr mit ihrem Allgemeinbefinden, ggf. auch Alter und ob sie (akut/chronisch) erkrankt sind. Nicht jede Aufnahme sorgt direkt für einen lebensbedrohlichen Zustand, bei dem wir Tierhalter in Alarmbereitschaft versetzt werden.

Manchmal erbricht das Tier, wenn es kann (Kaninchen können das nicht). Oft treten starke Bauchschmerzen auf. Aufgasungen im Darm, Durchfall, Harndrang. Die Organe versuchen loszuwerden, was da nicht hingehört. In diesen Fällen denkt man erstmal an einen Magen-Darm-Infekt, verabreicht vielleicht Schonkost. Gift im Tier? Nein, das hätte man ja bemerkt oder etwa nicht?

Hilfe! Gefahr des Ikterus

Im Falle einer Vergiftung kann es durch die Gallentätigkeit zu einem Anstieg an Bilirubin im Blut kommen. Auch wenn man beim Begriff „rubin“ an etwas Rotes denkt, ist der Farbstoff gelb. Durch die Vergiftung werden rote Blutkörperchen zerstört. Die Leber schafft den großen Anteil an Bilirubin nicht mehr zu verarbeiten und es kommt zu einer Gelbfärbung, dem Ikterus.

Je nach Gift kann das ausgesprochen schnell passieren. Manche Pflanzen, sowie einige Pilze sind hochgradig giftig und können im Falle einer Aufnahme durchaus schnell in einen lebensbedrohlichen Zustand oder zum Tod führen. So wie im Frühjahr 2021. Der leider tödlich ausgegangene Fall einer Verwechslung von Bärlauch mit einer Herbstzeitlosen durch einen 48 jährigen Mann in Bayern. Das zubereitete Pesto schmeckte zwar bitter, doch er aß davon einen scheinbar nicht unerheblichen Teil. Leider hat er das nicht überlebt. (Quelle)

Niereninsuffizienz

Nicht nur die Leber kann versagen, auch die Nieren. Die wasserlöslichen Giftstoffe sollen über sie den Körper verlassen. Diese Gifte können zum Teil direkt oder schleichend das Organ schädigen. Letzteres finden wir meist bei der Giftaufnahme von Schwermetallen vor. Werden Nervengifte aufgenommen geschieht die Nierenschädigung eher. Im Prinzip gehören Leber und Nieren zum wertvollsten Gut eines jeden Lebewesens, um den Organismus zu reinigen und eben Stoffe abzutragen. Je gesünder sie also ihr Leben lang gehalten werden, je besser man auf sie aufpasst und pflegt, vielleicht auch umso besser, wenn sie einmal zu Höchstleistung gefordert werden?

Übrigens: Während sich die Leber sogar regenerieren kann, können das leider die Nieren nicht. Sie nehmen einem also alles übel.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellanpuppe – das Management

Bevor eine Vergiftung im Haushalt oder durch das Ernten von Pflanzen entsteht, sollte man diese möglichst versuchen zu vermeiden. Das klingt für dich sicherlich bescheuert, aber ich kenne unglaublich viele Menschen, die für Katzen giftige Blumen Zuhause regelmäßig aufstellen und gar nicht wissen, dass dem so ist. Immer wieder höre ich, dass die Katze die Blumen ja nicht benagt, sie wäre ja kein Pflanzenfresser und hätte ihr Katzengras. Doch allein schon die Aufnahme einer geringen Pollenmenge reicht leider aus, um eine Katze zu vergiften.

Bei den Pflanzenfressern gibt es noch häufiger durch fehlendes Tierhalterwissen das Ernten eines möglichen giftigen Vertreters, der vielleicht sogar noch täuschend echt, wie ein fressbares, ungefährliches Kraut aussieht (giftige Doppelgänger). Es mag Kaninchen geben, die trotz der Aufnahme von Efeu oder Thuja vollkommen gesund und unbeteiligt geblieben sind. Es gibt jedoch leider Fälle, die eine orale Aufnahme nicht überlebt haben.

Im nächsten Schritt wäre es wichtig zu versuchen, jede plötzliche Veränderung zu analysieren:

-Welche Symptome sind da?
-Wie stark sind sie ausgeprägt?
-Was hat mein Tier gefressen?
-Könnte es etwas aufgenommen haben, was giftig gewesen wäre?

Und hier sollte man immer versuchen abzuwiegen, ob nicht der direkte Gang zum Tierarzt oder zumindest ein Telefonat mit diesem sinnvoll wäre. Bei den kleinen Heimtieren können Verdauungsprobleme sehr schnell lebensbedrohlich werden, so dass ich hier immer schnelles Handeln empfehle. Gerne mit den bekannten Erste-Hilfe-Maßnahmen, die viele Kaninchen- und Meerschweinchenhalter sich dazu angeeignet haben. Bei Freigängerkatzen und Hunden würde ich immer die Aufnahme eines Giftköders in Betracht ziehen und im Hinterkopf behalten. Sicherlich kann man auch hier eine Notfallmaßnahme überlegen, wozu sicherlich erstmal Fasten (Hund) oder Schonkost (Hund / Katze) gehören.

Was bei Hunden und Katzen wichtig zu wissen ist, dass je eher es zu einem Erbrechen kommt (möglichst innerhalb von 1-2 Stunden nach der Aufnahme), umso besser.

Rattengift – Warum so spät erst bemerkbar?

Rattengift wurde für Ratten derart konzipiert, dass die kluge Ratte quasi den Giftköder schluckt, erstmal nichts passiert und all ihre Familienmitglieder ebenfalls, sehr beruhigt, das vergiftete Futter aufnehmen. Nur so kann man die Zahl der Tiere minimieren.

Frisst der Hund nun Rattengift, setzt die Wirkung von Cumarin erst nach Stunden oder sogar Tagen/Wochen ein. Cumarin ist gerinnungshemmend und blockiert die Wirkung von Vitamin K. Die Leber kann Gerinnungsfaktoren nicht mehr bilden, weil Vitamin K daran beteiligt ist und nun „fehlt“. Das große Problem: viele Hunde sind nur schlapp. Gerade im Sommer nichts wirklich beunruhigendes, oder?

Bei Verdacht auf Rattengiftaufnahme werden Tierärzte die Blutgerinnung prüfen und das Tier auf Einblutungen untersuchen. Ist es eine Cumarin-Vergiftung, muss der Tierarzt entsprechende Maßnahmen ergreifen! Das kann man weder als Tierheilpraktiker noch als Tierhalter selbst tun.

Übertriebene Hysterie-Macherei?

Tja, was ist mein Fazit daraus? Alles übertrieben? Unnötige Hysterie? Oder ist was dran? Bei unserer Katze gab es keine Vergiftung. Bei meinen Kaninchen auch eher nicht, wobei das Nagen an PVC äußerst gesundheitsgefährdend ist. Das hatten meine ersten leider mal getan– aufgrund meiner schlechten Sicherung. Bei unserem Hund gab es einmal eine Situation, bei der ich an Gift gedacht habe. Es war dann jedoch -gottseidank- nur ein Magen-Darm-Infekt. Dennoch bin ich vorsichtig und wachsam. Eben weil ich weiß, wozu Gift in der Lage ist, wenn es sein Potenzial entfalten kann. Meinem Hund deshalb aber nur noch mit Maulkorb laufen zu lassen, stets an der Leine, das halte ich für übertrieben. Aber schlussendlich musst du das tun, was für dich das richtige ist – egal was die anderen darüber sagen oder denken! Denn es ist dein Tier und letztlich trägst du alleine die Verantwortung für alles.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

Online-Beratung - Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

ONLINE-BERATUNG

Wo du auch wohnst, ich helfe deinem Tier und dir gerne durch meine langjährigen Erfahrung als Tierheilpraktikerin und Tierernährungsberaterin mit meiner Online-Beratung.

Animal Visite - Sonja Tschöpe - Tierheilpraktikerin

Folge mir

Facebook   Instagram   Pinterest   Youtube   Twitter

Newsletter

© 2020 - 2021 Sonja Tschöpe • Alle Rechte vorbehalten • Impressum | Datenschutz | Website Disclaimer