Als ich davon hörte, dass etwa 10 Billionen Bakterien auf nur 1 Gramm Scheiße zu finden sind, stockte mir sprichwörtlich der Atem. Nicht vor Ekel, sondern vor Neugierde. Vielleicht geht es dir da nun ähnlich, dass du über die Zahl überrascht bist? Wir wissen ja vieles von der Verdauung, so zum Beispiel, dass der Darm nicht nur ein durchlaufender Posten ist, den wir über Mund/Maul, Speiseröhre und Magen mit Lebens-/Futtermittel und Flüssigkeiten versorgen. Das ist längst bekannt.

Und doch ist schnell in Vergessenheit geraten, dass er tagtäglich Höchstleistungen erbringt und dafür nur wenig Dank erntet. Stattdessen bekommt er dies und jenes, was er weniger gut verträgt und sein Milieu verschiebt. Er kann darauf reagieren und Erbrechen herbeiführen oder aber sich beleidigt verstopft zurückziehen oder mit herausschießendem Durchfall seinen Frust ablassen. In den wenigsten Fällen reagiert der Mensch jedoch vernünftig. Statt sich ursächliche Gedanken zu machen, warum diese Symptome hervortreten, wird die Verstopfung mit Hilfsmittelchen gelöst und der Durchfall unterbunden. Und wenn es dem Patienten bessergeht, das Erbrechen vergessen scheint, wird wieder genau das gleiche heruntergeschlungen, wie zuvor. Klingt komisch, oder? Es wird deshalb Zeit den Darm mal unter die Lupe zu nehmen und sein äußerst interessantes Innenleben näher vorzustellen.

Die Darmwelt ist eine Blumenwiese

Damals zählte man Bakterien zu den Pflanzen, so dass die Darmbakterien zur Darmflora zugeordnet wurden. Heute weiß man, dass es statt Darmflora (Flora intestinalis) eher Darmmikrobiota lauten muss. Der Darm besitzt ein eigenes Ökosystem bestehend aus Bakterien, Archaeen und Eukaryoten. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass auch im Verdauungssystem Krankheitserreger leben, jedoch in einer Symbiose mit dem Rest. Sie sind da, schaden jedoch nicht, solange das gesamte Ökosystem gesund ist, also das Darmmilieu ordnungsgemäß funktioniert. Ist das Gleichgewicht der Darmflora gestört, wird das Lebewesen (Mensch oder Tier) zum Patienten. Diese kleine eigene Welt im Darm entsteht bei jedem Lebewesen bereits mit seiner Entstehung und wächst über die Lebensjahre zu einer sehr großen, beeindruckenden Bevölkerung heran. Beim Menschen kann die Mikrobiota bis zu 2 kg schwer sein.

In uns und unserem Tier leben also eine Vielzahl an Bakterien, die deutlich in der Überzahl vorhanden sind und damit in ihrer Menge sogar vorhandene Körperzellen toppen. Und diese Mikrobenwelt hat es in sich. Sie sind nämlich perfekt ausgestattet auf alles was da kommt entsprechend einzugehen. Viele Mikroorganismen finden sich sogar bereits vor der Darmwand, von wo aus sie ähnlich wie bei einer Grenzkontrolle Freunde durchlassen und Feinde abwehren. Man könnte sagen, dass in der Darmschleimhaut ein wahres Trainingscenter existiert, in der Bakterien neue Abwehrstrategien gegen Eindringlinge erlernen. Was passieren kann, wenn Feinde doch hindurch kommen, habe ich eingangs versucht zu erwähnen: Es können sich verschiedene Symptome zeigen.

Krieg im Darm

Manchmal bemerkt man vom Krieg im Darmmilieu jedoch auch erstmal nichts. Vielleicht nur ein leichtes Bauchgrummeln oder einen miefigen Pups. Das kann zwar lästig sein, aber lässt viele dennoch nicht weiter nachdenken über das was da vor sich geht. Es ist normal. Der Hund pupst halt (oder riecht). Er setzt große Haufen mehrfach täglich ab. Was sollte da dran falsch sein? Meist reagiert man als Tierhalter erst, wenn besorgniserregende Symptome oder eine tierärztliche Diagnose vorliegt.

Und dann dämmert es einem schnell, dass man vieles durch die Ernährung ausgelöst hat. Je minderwertiger eine Zusammensetzung vom Futter ist, umso mehr Leistung muss der Verdauungsapparat leisten. Das Futter wird soweit durch Speichel und Magensäure vorbereitet. Trotzdem bleibt im Darm genug zu tun, die Nahrung aufzuschlüsseln. Dafür sind positive Darmbakterien da. Ihre Anzahl hängt jedoch von einer gesunden Ernährung und Konstitution ab. Je jünger ein Lebewesen (Mensch / Tier), umso weniger ausgeprägt ist die Darmflora. Mit zunehmendem Alter wachsen die Darmbewohner zu einer stattlichen Anzahl heran. Bestenfalls ohne negative Störungen durch schlechtes Futter, durch Entwurmungen, Impfungen usw. damit zig Millionen Bakterien rundum glücklich heranwachsen können. Jeder schlechte Einfluss auf den Darm, sorgt für ein ungünstiges Milieu, das positive Darmbakterien zurückdrängt. Sie sterben ab. Negative Vertreter vermehren sich.

Die Laboranalyse – der Blick in den Darm

Während im Humanbereich einige Labore die Wichtigkeit der Stuhlanalyse erkannt haben, ignorieren viele veterinärmedizinische Labore dieses Ökosystem fast schon kategorisch. Im nettesten Fall erfährt man noch ein „es ist Darmflora vorhanden“. Diese Aussage ist jedoch relativ nichtssagend. Wir erfahren nämlich nicht, welche Darmbewohner genau in der ungünstigen Überzahl oder schon fast nicht mehr vorhanden sind. Warum sollte man das wissen wollen? Ganz einfach: Weil bei vielen sogenannten Futtermittelallergien und chronischen Verdauungsstörungen, sowie auch bei einigen Hauterkrankungen die Ursache im Darm liegt. Wären dort nämlich genügend Bifidobakterien, Enterokokken und Escherichia coli vorhanden, wären die Candida nicht außer Rand und Band geraten und würden mit den Clostridien nach jeder Futteraufnahme schöne Symptome hervorzaubern.

Eine solch genaue Laboranalyse macht also zeitweise Sinn. Und bevor man vorsorglich mal eben mit einer chemischen Wurmkur sämtliche Darmbakterien in die Verzweiflung treibt und in die Knie zwingt, sollte man per Sammelprobe am besten den aktuellen Status von Parasiten checken lassen. Ist nix da, muss auch nix rein!

Wenn ein Tier also wiederkehrende Verdauungssymptome zeigt oder unter einer Hautallergie leidet, die man nicht in den Griff bekommt, sollte man bei einem adulten Tier in jedem Fall eine umfassende Darmflora-Untersuchung veranlassen, z.B. bei EnterosanVet. Das Labor wirft als eines der wenigen einen sehr umfassenden Blick auf die Darmflora.

Kaputte Darmflora – und nun?

Selbstverständlich gibt es mehrere Wege das Darmmilieu wiederaufzubauen. Dazu gibt es sogenannte Probiotika, die oral zugeführt sich bestenfalls auf der Darmflora wieder „anpflanzen“ und gedeihen. Allerdings muss man hier wissen, dass nicht alles oral Eingenommene auch „unten“ in der gleichen Form landet. Manches kommt gar nicht bis dorthin. Und wenn doch ist die Frage, ob das Umfeld schon so gut ist, dass es dort dauerhaft verweilen mag. Sinnig ist deshalb erst einmal den Darm aufzuräumen und damit sein eigenes Potential zu unterstützen, sich selbst zu regenerieren. Anschließend baut man die fehlenden Darmbakterien auf. Allerdings reicht das meist nicht aus. Denn das A und O ist einfach die langfristige Fütterung und die sollte darmgesund sein. Und je tiergerechter, gesünder die Fütterung umso besser nicht nur für die Darmmikroben, sondern auch für die gesamte Gesundheit des Hundes.

Wenn du dazu noch etwas „für die Ohren“ bekommen möchtest, dann klick doch in meine Tiersprechstunde. Die passende Podcast-Episode habe ich dir nachfolgend verlinkt:

Wie sagt man so schön: Gesunder Darm, gesundes Tier! Lass uns daran arbeiten.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

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