Pankreas….. eine wichtige Drüse, die neben Magen, Leber und auch den Därmen ein wertvoller Teamplayer in der Verdauung ist. Doch treten Symptome, wie Durchfall, Erbrechen oder Gewichtsverlust auf, denkt man häufig an alles andere. Die Bauchspeicheldrüse wird oft vergessen. Dabei kommen Erkrankungen dieses Organs gerade bei Hunden und Katzen immer häufiger vor.

Das kleine Organ liegt nahe dem Magen, im Oberbauch. Es ist eine exokrine Drüse, die Enzyme bildet und an den Darm abgibt. Diese Enzyme spalten Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße, damit sie überhaupt von den nachfolgenden Organen aufgenommen und verwertet werden können. Schwächelt sie, werden diese über die Nahrung aufgenommene Stoffe nicht mehr richtig vom Körper verdaut. Es kommt zu Problemen im Verdauungsapparat. Das Tier wird krank.

PANKREASSCHWÄCHE

Eine zeitweise Schwäche kann durchaus vorkommen. Insbesondere wenn das Tier sündigen durfte oder verbotenerweise gesündigt hat. Hund oder Katze hat etwas vom Tisch bekommen oder gestohlen. Vielleicht lag im Freigang auch etwas herum, was aufgenommen wurde. Meist tritt Durchfall auf, der sehr fettig ist, wenn ein sehr fettreiches Produkt gefressen wurde. Die Bauchspeicheldrüse kann sich von einer einmaligen Aktion selbständig erholen.

Es gibt auch eine erbliche Form der Pankreasschwäche, die man insbesondere bei jungen Hunden in den ersten 2 Lebensjahren vorfindet. Das Organ schrumpft, was man Pankreasatrophie nennt. Rassebedingt neigen einige Hunde eher zu einer Empfindlichkeit der Bauchspeicheldrüse. Dazu gehören Boxer, einige Spaniel-Arten, ebenso wie Terrier.

Doch auch äußerliche Körperverletzungen (z.B. durch einen Sturz oder Tritt) können ebenso wie Bakterien (primär bei Katzen) das Organ schädigen. Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis) kann die Folge sein, die sehr schmerzhaft ist.

AKUTE PANKREATITIS

Das Organ beginnt damit sich selbst zu verdauen. Die entstehenden Verdauungssäfte beginnen im Pankreas selbst zu arbeiten, statt erst nach dem Eintritt in den Darm. Je länger dieser Zustand anhält, umso schwerer können die Auswirkungen auf umliegende Organe sowie das Gewebe drumherum sein.

Eher betroffen sind Tiere mit Übergewicht sowie ältere Hunde/Katzen und jene, bei denen bereits eine Diabetes-Erkrankung diagnostiziert wurde. Bei Katzen mit einer fortgeschrittenen CNI/CNE sollte man die Bauchspeicheldrüse ebenfalls im Blick behalten, da es auch hier im Laufe des Krankheitsverlaufs der Nieren zu Problemen an der Verdauung kommen kann.

Die Symptome, die sich bei einer akuten Pankreatitis zeigen haben meist etwas mit der Verdauung zu tun bzw. mit der Futteraufnahme im Allgemeinen. Hund oder Katze zeigt Durchfall, erbricht, möchte nichts fressen oder ist sehr mäkelig. Das Tier ruht mehr. Bei Katzen ist es oft noch etwas schwerer auf die Bauchspeicheldrüse zu schließen, da ihre Symptome im Anfangsstadium zeitweise nur durch gelblich wirkende Schleimhäute, Apathie und Austrocknung auffallen. Das sind jedoch Symptome, die auch auf anderes schließen lassen könnten.

EXOKRINE PANKREASINSUFFIZIENZ

Wird eine Entzündung des wertvollen Organs nicht bemerkt oder zu spät behandelt, kann es zu einer chronischen Störung kommen. Und egal ob akute oder chronische Störung, hier muss dringend die richtige Behandlung langfristige Schonung des Organs erfolgen. Bevor ich jedoch überhaupt behandeln kann, steht die richtige Diagnostik im Raum! Und die kann mit wenigen gezielten Untersuchungen relativ einfach erfolgen.

DIAGNOSTIK

Der Tierarzt hat zwei Labormöglichkeiten an der Hand, wie er bei Vorhandensein passender Symptome eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse feststellen kann. Zum einen das Blut des Tieres, zum anderen den Kot.

Beim Blut sollte man den TLI (Trypsin-like-Immunreaktivität) messen, um herauszufinden, ob eine exokrine Pankreasinsuffizienz vorliegt. Den cPLI bzw. PLI misst man, um ein akutes Entzündungsgeschehen der Bauchspeicheldrüse vorliegt.

Wichtig ist, dass die Tiere vor der Blutabnahme mindestens 8-12 Stunden nüchtern sind, da die Futteraufnahme die Werte beeinflussen kann.

Außerdem wird der Tierarzt bei einem entsprechenden Blutbild auch einen Blick auf den Vitamin B12 sowie Folsäure-Wert im Blut werfen. Beide Werte sind deutlich zu niedrig, wenn die Bauchspeicheldrüse Probleme hat. Wobei das auch andere Gründe haben kann.

Weiterhin sollte, wenn man die Bauchspeicheldrüse im Verdacht hat, auch der Kot untersucht werden und zwar auf die sogenannte pankreatische Elastase. Dabei handelt es sich um verdauungsresistente Endoprotease, die nur in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden. Bei einer Pankreasinsuffizienz ist der Wert stark vermindert.

Sowohl Blut- als auch Kotbefund sollten nach einiger Zeit wiederholt werden.

Schlussendlich kann ein Tierinternist auch über einen Ultraschall das Organ näher untersuchen. Das ist besonders wichtig, um eine Pankreasatrophie ausschließen zu können.

THERAPIE DER BAUCHSPEICHELDRÜSE

Während der Tierarzt seinen Fokus auf die schulmedizinische Behandlung legt und entsprechend, je nach akuter Pankreatitis als auch nach Pankreasinsuffizienz Medikamente verordnen wird, sollte der Tierhalter das Futter zwingend anpassen.

Wichtig ist nun ein leicht verdauliches, proteinreiches, hochwertiges Muskelfleisch, das am besten gekocht wird. Wer bislang roh ernährt hat, sollte das Futter nun vorübergehend kochen bzw. garen, damit es leichter verwertet wird und die Organe entlastet werden. Der Fettanteil sollte stark reduziert werden.

Meistens werden nun spezielle Diätfuttermittel empfohlen, die jedoch entweder einen sehr hohen Anteil an Getreide besitzen oder aber schwer verdauliches Bindegewebe enthalten (Magen, Lunge, Euter, Pansen usw.). Aus diesem Grund ist meine persönliche Empfehlung eher jene, dass man – angepasst auf die Schwere der Erkrankung und den Zustand von Katze oder Hund – sich eher mit einem fähigen Tierernährungsberater abstimmt, wie die Fütterung aussehen sollte.

Ich selbst habe sowohl bei zahlreichen Katzen-, als auch Hundepatienten meist eine Sorte eines hochwertigen Nassfutters empfohlen, bei denen wir uns genau die Zusammensetzung angesehen haben. Bei Katzen war die Akzeptanz von bislang unbekannten Futter meist ein Glücksspiel (Stichwort Neophobie), weshalb hier z.T. dann das selbstgaren von Hühnerbrust (ohne Haut) ins Spiel kam, ergänzt mit Hühnerherzen und wenigen ausgewählten Supplementen.

LANGFRISTIGER BLICK

Wenn die Bauchspeicheldrüse nur kurzfristig im Rahmen einer akuten Entzündung geschwächelt hat, wird es dem Tier mit den richtigen Medikamenten des Tierarztes und der Futteranpassung bestimmt bald besser gehen.

Was aber, wenn nicht? Wenn der Zustand chronisch wurde oder aber das Tier immer wieder Probleme bei der Futterverwertung hat, die auf eine zeitweise Schwäche hinweisen? So wie im Falle eines kleinen Hundes in meiner Praxis. Monatelang war er immer wieder beim Tierarzt, die zwar den Pankreas im Verdacht hatten, dann auch darauf eingingen, aber die zeitweisen Schmerzen, das apathische Verhalten usw. traten immer wieder auf.

In diesem Fall haben wir gemeinsam die Darmflora untersuchen lassen, um auszuschließen, dass diese das Problem mit verursacht. Danach wurde die Ernährung laktosefrei und fettreduziert umgestellt. Ebenso sollte das Nassfutter möglichst kein Bindegewebe enthalten. Der Hund nahm es gut an, doch nach einigen Wochen kontaktierte man mich, er hätte wieder Schmerzen. Da wir durch ein Ultraschallbild wussten, dass die Bauchspeicheldrüse normalgroß war und vernünftig arbeitete, aber Blut- und Kotbefund zeitweise auf eine Pankreasschwäche deuteten, empfahl ich zeitweise Pankreasenzyme anzubieten. Nicht regelmäßig und ständig, da das Organ ja arbeitete. Aber immer dann, wenn der Hund Anzeichen machte, dass etwas nicht stimmte.

Für uns war das der Schlüssel zum Erfolg. Die Probleme blieben aus und endlich konnte die Familie auftanken und die gemeinsame Zeit einmal genießen.

Etwas für die Ohren zu diesem Thema habe ich übrigens in der folgenden Podcast-Episode meiner Tiersprechstunde aufgenommen:

RESÜMEE

Halten wir einmal fest, was deine Aufgabe ist, wenn du eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse im Verdacht hast:

Tierarztbesuch, der von einem nüchternen mindestens 8 Std. nüchternen Tier den TLI und cPLI/PLI Wert, ebenso wie Vitamin B12 als auch Folsäure-Wert bestimmen lässt. Am besten macht er jedoch ein großes Blutbild, um direkt mögliche andere „Entgleisungen“ feststellen zu können. Weiterhin Abgabe einer frischen Kotprobe, um die Pankreaselastase untersuchen zu lassen.

Ggf. Ultraschall vom Pankreas, um ein sogenanntes „Schrumpforgan“ oder eine gravierende Störung ausschließen zu können.

Achtung: Blut-/Kotbefunde sind ebenso wie bildgebende Diagnostik i.d.R. Momentaufnahmen!

Wird tatsächlich eine Erkrankung des Pankreas festgestellt, passe bitte die Fütterung an. Achte auf

  • fettarme Kost,
  • vermeide Bindegewebe,
  • gebe hochwertiges, leicht verdauliches Muskelfleisch,
  • füge Innereien zu (wie Herzen, Leber, Niere, Milz)
  • und Koche das Futter, da gegartes bzw. gekochtes Futter besser verdaulich ist.

Im Zweifel nehme dir in jedem Fall frühzeitig eine/n ausgebildete/n Tierernährungsberater/in ins Boot, der sich mit dieser Erkrankung auskennt und dich hier richtig beraten kann.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

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