Was kann, was soll, was muss? Eine berechtigte Frage, die man sich zwingend stellen muss. Barfen, die Rohfleischfütterung von Hund und Katze, soll das Nonplusultra in der Tierernährung sein. Doch stimmt das wirklich? Ist es so viel gesünder, als wenn man tierärztlich geprüftes Industriefutter nimmt, in dem schon alles enthalten ist, was die geliebte Fellnase braucht? Oft hört oder liest man, dass die Rohfütterung krank macht. Zu viel Proteine. Fehlende Zusätze. Und zudem ist es hochkomplex. Man braucht enorm viele Pulver, bis in einer Mahlzeit alles enthalten ist, damit das Tier mit allem versorgt wird. Stimmt das? Ich durchleuchte heute einmal dieses Thema für dich!

Du lernst im heutigen Blog-Artikel

  • Was kann BARF?
  • Für wen ist es geeignet?
  • Und welche Gerüchte dazu stimmen?

Bevor ich jedoch mit meinem Artikel starte, ein ehrliches Statement meinerseits: Ich bin zwar ausgebildete Tierernährungsberaterin, doch für mich gibt es nicht DAS Fütterungskonzept. Wir schreiben das Jahr 2021. Es gibt mittlerweile im Bereich des Fertigfutter viel hochwertige Kost zu finden. Die Fütterung von Hund oder Katze muss zum Tier, aber auch zu seinem Menschen passen. Das ist mein Ansatz. Es bringt mir nichts einer Katze BARF aufzuzwingen, die das jedoch partout nicht mag. Will sie weiter ihr Trockenzeug haben, werde ich zwar zu Nassfutter raten, aber letztlich entscheidet der lange Atem vom Tierhalter. Bei Katzen braucht man Geduld und Durchhaltevermögen neben einigen Tricks. Was ich damit sagen will: Es muss sich kein Tierhalter schämen, nur weil er in hochwertiges Nassfutter für seinen Hund oder seine Katze investiert!

WAS KANN BARF?

BARF kann nicht zaubern. Aber wenn man sich natürlich die Zutaten selbst zusammenstellt, hat man mehr Einfluss darauf, was im Napf landet. Man kann so z.B. über gewählten Fleischbezug sicherstellen, woher die Tiere stammen. Man kann auch beim Gemüse und Obst wählen, was soll der Hund fressen. Bei der Katze haben wir hier sogar die Möglichkeit endlich einmal nach tierernährungsphysiologischen Zusammenhängen das Futter richtig zusammenzustellen. Denn im Industriefutter der Katze findet sich ja dann doch sehr viel, was die Katze gar nicht braucht oder nicht umsetzen kann. Dazu gehören diverse Pflanzenöle, ein hoher Ballaststoffanteil, Getreide usw.

Merke: Ich habe also als Tierhalter bei der Rohfleischfütterung mehr Spielraum. Das bedeutet im Umkehrschluss, ich muss mich mit der Fütterungsform auseinandersetzen. Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt.

FÜR WEN IST BARF GEEIGNET?

Eigentlich für alle. Aber natürlich gibt es gewisse Dinge, die man eben mögen muss, so z.B. das Hantieren mit rohem Fleisch und Innereien. Wer sich nicht scheut (oder davor ekelt) alle paar Tage oder Wochen für den Hund oder die Katze die Rationen zusammenzustellen, der ist bei BARF sicher richtig.

Mein Buchtipp für Hundehalter:
Nadine Wolf „Das Barf Buch“

Das Nutzen von Einweghandschuhen bei der Zubereitung bietet eine Möglichkeit, den eigenen Ekel vor dem Anfassen von tierischen Produkten auszutricksen. Die Hygiene spielt bei der Verarbeitung von rohen tierischen Produkten ein gewisses Thema. Doch das hat man als Nicht-Vegetarier schließlich auch. Nach dem Kochen oder dem Zubereiten muss geputzt werden. Zumindest die Dinge, die man benutzt hat und die Fläche, wo gearbeitet wurde.

Was man in jedem Fall benötigt ist neben diversen Messern, Brettchen, usw. für die Zubereitung der Portionen genügend Freifläche im Tiefkühlschrank. Die meisten BARFER kaufen auf kurz oder lang einen eigenen TK-Schrank, weil das TK-Fach im Kühlschrank schnell zu klein ist oder aber eine Schublade im TK-Schrank nicht reicht. Vor allen Dingen, weil man oft nicht jede Woche „schnippeln“ möchte, sondern sich lieber einmal für 1-2 Stunden hinstellt und eine Monatsration vorbereitet.

Der zeitliche Faktor ist nicht ganz so ohne. Zum einen, wenn man ohne Tierernährungsberater damit starten will und selbst den ersten Plan fürs Tier zusammenstellen mag. Dann sollte man sich vernünftig informieren. Allerdings ist das Barfen in Eigenregie primär nur für jene sinnvoll, die ein gesundes Tier Zuhause im Körbchen sitzen haben. Bei Krankheiten muss u.U. die Zusammensetzung anders berücksichtigt werden, was meist nur durch ausgebildete Tierernährungsberater mit entsprechender Erfahrung erfolgen kann. Ich muss gestehen, ich habe mir damals für meine Katze Mischu trotz Ausbildung den ersten BARF-Plan von einer Expertin machen lassen, ehe ich mich selbst an das Zusammenstellen gesetzt habe. Und ich würde das auch immer wieder empfehlen.

Von den Kosten her ist BARFEN langfristig günstiger, als wenn man seinen Hund | seine Katze hochwertig mit Industriefutter ernährt. Denn meist ist das wirklich gut zusammengesetzte Fertigfutter recht „teuer“. Beim Katzenfutter waren 100 g für 99 ct eines Herstellers unschlagbar, bei dem auch noch der Inhalt brilliant war. Meist muss man mit mehr rechnen. Auf das Jahr summiert sich das dann natürlich, auch wenn man mal größere Mengen bei Rabattaktionen einkauft, so wie ich das im Herbst 2020 noch für unseren Hund getan habe. Allerdings sah es dann bei uns im Vorratsraum auch aus, als würde man in der Hundefutterabteilung des örtlichen Zoofachgeschäfts stehen…

FÜR KRANKE TIERE

Zuletzt möchte ich aber auf den wichtigsten Punkt kommen, bei dem BARF für mich am besten geeignet ist. Nämlich dann, wenn das Tier krank ist. Viele Haustiere leiden unter chronischen Krankheiten, auf die man mit einer individuellen Fütterung sehr gut eingehen kann. Sicherlich, es gibt spezielle Diätfutter, doch die Inhalte passen oft aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht zu dem, worauf z.B. bei einer Niereninsuffizienz oder Pankreaserkrankung Rücksicht genommen werden sollte. Und diese Probleme kann ich mit einer selbst zubereiteten Fütterung umgehen.

Deshalb ist das BARFEN für mich insbesondere bei kranken Hunden bzw. Katzen eine wichtige Möglichkeit neben der therapeutischen Begleitung durch Tierarzt und Tierheilpraktiker, dem Tier vielleicht noch mehr gesunde Tage im Leben schenken zu können.

DOCH DANN GIBT’S DA DIESE GERÜCHTE

…dass die Rohfütterung krank machen kann. Und ja! Dem muss ich z.T. sogar leider zustimmen, denn man kann sein Tier krank barfen. Nämlich indem Komponenten falsch zusammengesetzt werden, weil man es nicht besser weiß oder wusste. Wenn wichtige Nährstoffe fehlen, zum Beispiel der Calciumgehalt der BARF-Ration eines Welpen/Kitten viel zu niedrig ist, kann ich je nach Größe des Defizits das nur schwer beheben.

Oder indem viel zu viel Fett gegeben wird, was nicht nur zulasten des Gewichts gehen kann, sondern beim Hund auch der Bauchspeicheldrüse auf lange Sicht Probleme beschert.

Beim Wolf wird auch nix ausgerechnet…

Stimmt! Und wenn der Wolf Glück hat, erreicht er in einer Gegend, in der es wenig Straßenverkehr und Jäger gibt, sogar durchaus ein großartiges Lebensalter. Unsere Haustiere sollen jedoch bestenfalls methusalemfähige Alter erreichen. Und dafür ist es notwendig sich mit der Tierernährung zu befassen, die man beim Hund oder bei der Katze anwenden mag.

Mein Lieblingsgerücht ist ja das, dass rohes Fleisch extrem keimbelastet ist und das diese Keime die Tiere krank machen. Genau deshalb sitzt der Wolf auch am Feuer und gart erstmal das zuvor erlegte Tier, ehe er es frisst. Klingt komisch? Naja, genauso komisch klingt es, dass unsere Haustiere und ihre Magensäure nicht mit ein paar Keimen klarkommen. Sicherlich gibt es Hunde und Katzen, die da empfindlicher sind. Weshalb man auch auf hochwertiges Fleisch achten sollten. Doch welcher liebende Tierhalter verfüttert vergammeltes Rohfleisch?

Man braucht auch so unglaublich viele Pulver und Zusätze, wenn man barft. An diesem Mythos ist zumindest ein wenig Wahrheitsgehalt. Denn als ich unsere Katzendame (die nieren- und herzkrank war) gebarft habe, musste ich tatsächlich auf so einiges achten und über Pulver zufügen. Generell kann man das so aber nicht sagen. Bei einem gesunden Hund gibt es eigentlich nur wenige Zusätze, die man zwingend braucht:

  • Hochwertiges Öl für Omega 3-6-9 Bedarf
  • Dorschlebertran für den Vitamin D Bedarf
  • Etwas zum Abdecken des Jodbedarfs, z.B. Seealgenmehl
  • Ggf. ein Zusatz für das Abdecken von Calcium, wenn rohe, fleischige Knochen nicht ausreichen oder nicht vertragen werden

Bei Katzen wird Taurin oft noch ergänzt.

Sicherlich gibt es noch sogenannte „kann“ oder „soll“ Zusätze, die man frei nach belieben geben könnte. Wie z.B. hier und da mal etwas Spirulina als Immunsystembooster. Oder mal Kokosflocken, als wurmwidrige Ergänzung. Und natürlich gibt es auch noch eine Menge mehr an „Pülverchen“, die man kaufen kann und geben könnte. Doch das Gerücht, man bräuchte Unmengen an Zusätzen ist beim gesunden Tier schlichtweg falsch.

Um zu Barfen brauchte ich als weiteres Equipment für die Herstellung der Katzenmahlzeit einen Fleischwolf, denn Mischu konnte es altersbedingt nicht mehr vernünftig kauen. So gab es hier gewolfte Portionen und ich musste bei der Zubereitung mehr Zeit einplanen. Ansonsten brauchte ich mir nur eine Feinwaage kaufen, um die Zusätze abzuwiegen. Das restliche Equipment war soweit vorhanden (Messer, Brettchen, Verpackungen usw.). Und so sieht es meist in jeder gut sortierten Küche aus. Das was man hat reicht eigentlich aus und oft fehlt nur die Feinwaage, die man für wenige Euronen im Online-Handel beziehen kann.

Wenn du nun „Appetit“ bekommen hast, Lust darauf dich dem Thema zu öffnen, dann wirf als Hundehalter gerne einen Blick in das Buch von Nadine Wolf. Solltest du mit Katzen zusammenleben, kannst Du im Online-Kurs von Ute Wadehn die Grundlagen des Barfens für die gesunde Katze erlernen. Dort hast Du sogar eine Dozentin an der Seite, die Dich in die Materie einführt und bei möglichen Problemen helfen kann. Den Kurs von Ute findest Du hier:

Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: Trau dich! BARFEN klingt kompliziert. Wenn man aber man aber mal drin ist, ist es wirklich leicht umsetzbar. Und zum Glück gibt es viele fähige Tierernährungsberater/innen, die dir deinen ersten Plan erstellen können, damit du einen leichten Einstieg ins Thema bekommst.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

Online-Beratung - Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

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Wo du auch wohnst, ich helfe deinem Tier und dir gerne durch meine langjährigen Erfahrung als Tierheilpraktikerin und Tierernährungsberaterin mit meiner Online-Beratung.

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