Ausleiten, Detox, Entgiften – Begriffe, über die man als Haustierhalter zwangsläufig stolpern muss. Denn sie vermitteln ein Wohlfühl-Gefühl. Man tut etwas Gutes. Und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich mancher Tierhalter in meine Praxis verirrt und mit dem Wunsch an mich herantritt:

„Frau Tschöpe, Sie müssten mir meinen Hund ausleiten. Er hat eine Behandlung bekommen und die nicht gut vertragen. Sie machen doch sowas?“

Ich hingegen hätte mich fast am Kaffee verschluckt, als die Anruferin ihre Frage gestellt hatte.

BEGRIFFSANALYSE

Detox, Entgiften, Ausleiten – Ich gebe zu, ich mag diese Begriffe überhaupt nicht, wobei mir Detox noch der Liebste von allen ist. Und warum das so ist, dafür gibt es so ziemlich viele Beispiele, die ich in meiner Praxisarbeit erlebe. Ein Beispiel ist genau jener Hund, der entwurmt und außerdem bezüglich Ektoparasiten prophylaktisch behandelt wurde. Seitdem hätte er Durchfall. Vorsichtig frage ich nach, ob es denn zuvor irgendwelche Anhaltspunkte für einen Wurmbefall gegeben oder er Hautparasiten hätte. Die Anruferin wirkt genervt.

„Wir entwurmen immer vorsorglich, man weiß ja nie. Und ich möchte auch keine Zecken und Flöhe in meinem Zuhause haben.“

Kann ich verstehen. Auch ich liebe weder Zecken noch Flöhe und dennoch erhält unser Hund keine prophylaktische Chemiekeule. Wir sammeln Zecken ab und sorgen über das Futter vor, so dass es gar nicht erst zu einem großen Befall kommt. Am anderen Ende der Leitung folgt ein: „Sie entgiften doch, oder?“ Sie wird ungeduldig.

Entgiften bedeutet – genauso wie Ausleiten und Detox (von Toxisch) – nichts anderes, als das man Giftstoffe aus dem Körper herausbekommen möchte. Beispielsweise wird nach einer Narkose beim Menschen oft verordnet, dass man genug Trinken soll, damit die Nierentätigkeit angeregt und dadurch durchgespült werden. So kann man mithilfe von Wasser den Körper gut in seiner Reinigungsarbeit unterstützen. Im Laufe der Jahre wurde dann jedoch gerade im Tierbereich ein Brimborium daraus gemacht, bei dem ich mich manchmal frage, wo der Schwerpunkt liegt. Sehr oft landen Tiere als Neukunden in der Praxis des Tierheilpraktikers, der dann erstmal mit x-Mitteln entgiftet, ausleitet. Hilft manchmal tatsächlich schon etwas, doch oft liegt die Ursache für z.B. Durchfall ganz woanders. Statt aber darauf direkt vernünftig einzugehen, müssen– so glauben das mittlerweile leider wirklich viele Tierhalter – erstmal alle Organe tiefengereinigt werden.

Was ich mich jedoch bei manchen Ent-Giftungen so frage: Warum habe ich bei meinem Tier denn überhaupt zugelassen, dass es prophylaktisch vergiftet werden konnte? Warum lasse ich Chemiebomben gegen Zecken zu, obwohl es bereits gut wirksame alternative Möglichkeiten gibt, die zusätzlich zum täglichen Absuchen des Fells viel verträglicher für das Tier sind. Und warum entwurme ich ohne Wurmbefall, statt zum Beispiel wurmwidrige Kräuter kurweise in die Fütterung zu integrieren, was viel verträglicher für den Organismus des Hundes ist? Und wenn ich schon impfe, was durchaus sinnvoll sein kann, warum stehe ich dann nicht dahinter und will nach der Injektion erstmal die Impfung wieder ausleiten?

NEIN, ICH ENTGIFTE NICHT!

Am Ende der Leitung wird es kurz still, als ich der Anruferin genau diese Antwort gebe. „Oh, sie stehen aber in der Liste….“ Und dann unterbreche ich sie, was normal nicht meine Art ist und erkläre, wie ich arbeite und was mein Ansatz ist. Sie hört interessiert zu und verspricht sich zu melden. Wir wissen jetzt bereits beide, dass sie das nicht tun wird.

Ich entgifte nicht. Ich leite nicht aus. Ich prüfe bei meinem Tierpatienten immer erst einmal worum es eigentlich geht und natürlich auch, was das Krankheitsgeschehen ausgelöst hat. Und wenn ich ein Tier mit einer schlechten Verdauung habe, bei dem man vielleicht darauf deuten kann, dass zu viele Entwurmungen dazu geführt haben können, dass die Darmflora streikt, dann leite ich dennoch nichts aus. Ich baue auf! Ich prüfe hier beispielsweise durch einen Darmflora-Check über ein Labor, welche Darmbakterien Hilfe beim Wachstum brauchen und dann widmen wir uns diesen. Ich prüfe die Ernährung, was man ggf. präbiotisch zugeben kann. Und ich berate, wie man sich als Tierhalter trotz Angst vor Würmern und co. auch anderweitig helfen und sein Tier schonender unterstützen kann. Das ist mein Ansatz.

Und nach einer Impfung mache ich gar nichts mehr, außer dass ich empfehle sein Tier gut zu beobachten. Sollte es Symptome zeigen, dann muss sowieso der Tierarzt nochmal ins Spiel kommen. Ist aus seiner Sicht alles normal, kann ich durchaus mithilfe eines homöopathischen Einzelmittels auf die Symptome eingehen, die das Tier zeigt. Aber ich leite nicht mit einem homöopathischen Mittel namens X, eine Impfung aus, nur weil genau das Mittel in diversen Foren, Social Media Gruppen und Büchern als das „große Ausleitungsmittel“ steht. Das ist weder meine Welt noch der Grundsatz der homöopathischen Lehre nach Samuel Hahnemann. Stattdessen würde ich die Symptome auswerten, die das Tier nach der Impfung zeigt, und individuell prüfen, welches der über 1000 Mittel am ähnlichsten ist und helfen könnte.

DAS FEELGOOD FÜRS TIER

Meist ist es doch so (wenn man als Tierhalter mal ehrlich ist), dass wir mit einem unglaublich schlechten Gewissen medizinische Prophylaxe umsetzen. Wir wollen, dass unser Tier vor Krankheiten geschützt ist, erinnern uns aber noch genau an die letzte Impfung und das jaulende Hündchen auf dem Behandlungstisch. Natürlich bekam es danach ein Leckerchen, doch das schlechte Gewissen blieb. Wir leiden mit – was normal ist. Aber wenn wir das schon tun, sollten wir uns eher auf das Feelgood danach konzentrieren und weniger auf das „raus damit“.

Und mit Feelgood meine ich, dass man nach einer notwendigen Maßnahme ggf. die hoffentlich hochwertige Fütterung des Tieres so pimpt, dass das Immunsystem gutes Futter bekommt. Antioxidantien für Hunde und die kleinen Heimtiere in Form von frischen Beeren. Tierische Öle (Lachsöl oder Krillöl) bei Hund und Katze. Es gibt viele Möglichkeiten mit kleinen Maßnahmen Großes zu erreichen. Und wenn eine Entwurmung, eine Ektoparasitenprophylaxe oder eine Impfung wirklich zu Symptomen geführt hat, dann solltest du sie näher unter die Lupe nehmen lassen und an einen Immunsystemaufbau denken.

Wenn du das Thema auch nochmal zum Anhören möchtest, dann klick in meine passende Podcast-Episode der Tiersprechstunde:

Es gibt sehr viele fähige Kolleg/innen, die hier gezielt dann das Tier im Gesamten prüfen und einen Individualplan erstellen. Ich bin mir sicher, du findest jemanden, der zu dir und deinem Tier passt und euch hier sehr gerne unterstützen wird.

Alles Liebe für dich und dein Tier!

So gehts

PS.

Wenn du dich angesprochen fühlst und diesen Beitrag gerne teilen möchten, ist das ausdrücklich erwünscht, jedoch bitte nur durch Verlinkung hierher. Herzlichen Dank!

PPS.

Ich duze meine Leser und hoffe, dass ist für dich / Sie in Ordnung. Im persönlichen Gespräch können wir uns natürlich siezen.

HINWEIS

Ich muss darauf hinweisen, dass es sich gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetz (HWG) bei den hier vorgestellten Behandlungsmethoden um Verfahren der alternativen Medizin/Therapie handelt. Diese sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Die von mir gegebenen Informationen zur Behandlung sind keine Garantie und weder als Heil- noch als Linderungsversprechen zu sehen.

Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

DIE AUTORIN

Sonja Tschöpe ist ausgebildete Tierheilpraktikerin & Ernährungsberaterin für Hunde, Katzen und Kaninchen. Ihrer Berufung geht sie von ganzem Herzen seit über 10 Jahren nach. Sie ist Minimalistin – ihre Patienten bekommen lediglich das verordnet, was wirklich notwendig ist. Und nur nach einer umfassenden Anamnese, bei der sie die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter und Tierarzt sehr schätzt. Sie ist ganz offen: Wenn sie keinen Rat weiß oder die falsche Ansprechpartnerin ist, sagt sie das. Mit ihrer Familie und Hund Pipo lebt sie in einem Mehrgenerationenhaus bei Düsseldorf. Im Herzen trägt sie ihre am 20.08.20 verstorbene Katze Mischu sowie 15 unvergessene Kaninchen.

Online-Beratung - Sonja Tschöpe - TIERHEILPRAKTIKERIN | TIERERNÄHRUNGSBERATERIN

ONLINE-BERATUNG

Wo du auch wohnst, ich helfe deinem Tier und dir gerne durch meine langjährigen Erfahrung als Tierheilpraktikerin und Tierernährungsberaterin mit meiner Online-Beratung.

Animal Visite - Sonja Tschöpe - Tierheilpraktikerin

Folge mir

Facebook   Instagram   Pinterest   Youtube   Twitter

Newsletter

© 2020 - 2021 Sonja Tschöpe • Alle Rechte vorbehalten • Impressum | Datenschutz | Website Disclaimer