Archiv 2009
Juli 09: Zusammenleben mit alten Tieren
» zurück zu Archiv 2009Etwas schwerfälliger und langsamer als seine Freundin Zoora kommt mein Kaninchen Linus auf mich zugehoppelt. Kaum zu glauben, dass dieser muntere Kerl bereits 11 Jahre alt ist. Ein Methusalem unter den Kaninchen - denn bereits ab 7 Jahren zählen Kaninchen zu den "älteren Semestern".
Als Linus 2006 von der Kleintierhilfe München zu uns zog war er etwas über 8 Jahre alt. Seine Chancen auf ein neues Zuhause waren von Anfang an aufgrund seines Alters eher schlecht. Wer nimmt schon ein altes Tier auf? Das stirbt doch eh bald! Die sind auch ständig krank! Davon hat man doch nix mehr!... Kommentare, wie man sie bei jeder Tierart ab einem gewissen Alter vernehmen kann. Haben diese Tiere denn gar keine Chance mehr auf ein Zuhause verdient, nur weil sie das Glück hatten ein gewisses Alter bereits zu erreichen? Ein sehr trauriger Gedanke!
Sicherlich ist das Zusammenleben mit einem älteren Tier nicht immer einfach. Wer von klein auf das Tier erlebt hat, der wird sich spätestens dann deutlich umstellen müssen, wenn die ersten Wehwehchen beginnen. Das Tier verändert sich, verändert seinen Tagesrhythmus, schläft vielleicht mehr und schafft weniger weite Strecken beim täglichen Spaziergang. Die Leistungsfähigkeit lässt spürbar nach. Die Augen sind vielleicht nicht mehr die besten. Das Gehört lässt womöglich nach. Manche alten Tiere entwickeln auch ganz eigentümliche Verhaltensweisen...
Es ist ein ganz normaler Lebensprozess, der dazugehört. Altern ist keine Krankheit, auch wenn viele ältere Tiere regelmäßige Patienten im Wartezimmer des Tierarztes oder Tierheilpraktikers sind.
Es gibt keine Verjüngungskur, aber durchaus Mittel und Wege den Alterungsprozess ein wenig zu verlangsamen. Hierbei ist immer zu beachten, wie es dem Tier dabei geht, denn diese Art der Begleitung sollte keineswegs in Stress für das Tier ausarten. Das wäre kontraproduktiv, denn Stress geht leider immer auf Kosten des Immunsystems und genau das Immunsystem ist bei vielen älteren Tieren äußerst instabil. Zum Glück gibt es vielfältige Therapiewege, die man beschreiten kann. Doch nicht nur das: Eine gesunde Ernährung und ein respektvoller Umgang mit dem "Senior Tier" ist außerdem sehr förderlich für den gemeinsamen Alltag. Mit etwas Fingerspitzengefühl wird man schnell bemerken, was tut dem eigenen Senior Tier gut und was eher nicht. Sehr oft benötigt man jedoch auch Geduld und Nerven wie Drahtseile, insbesondere dann wenn die Tiere Urin und Kot nicht mehr halten können. Und dann schwingt täglich noch eine gewisse Angst mit, wie lange der geliebte Freund noch da sein wird und wann der in der Regel gefürchtete Tag X da ist.
Der Markt bietet eine breite Palette an Ergänzungsmittel und Futtersorten für das "adulte" Tier. Doch braucht es das wirklich? Sicherlich gibt es das ein oder andere sehr Vernünftige, das durchaus Sinn macht. Man sollte sich hier jedoch niemals von einer schönen Verpackung blenden lassen, sondern genau den Inhalt studieren. Vielleicht sich vor dem Kauf mit dem Tierarzt oder einem Tierheilpraktiker besprechen oder im Austausch über sehr gute Tierforen erkundigen, ob zu dem Produkt tatsächlich geraten werden kann.
Mein Lebensgefährte und ich sind übrigens im Jahr 2006 nicht davon ausgegangen, dass Linus ewig da ist! Das müssen wir offen zugeben. Wir haben uns vielmehr ein einziges schönes, gemeinsames Jahr gewünscht und vielleicht noch etwas mehr. Nun schreiben wir das Jahr 2009 und Linus ist noch immer hier - munter unter uns. Und wir freuen uns über jeden weiteren Tag, den er hier bei uns auf Erden noch verbringen darf. Zurückgeblickt würden wir jederzeit wieder einem betagten Tier eine Chance geben, egal wie lang diese "Chance" dauert.
Alles Liebe für Sie und Ihre Tiere!
Sonja Tschöpe
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