BLUMEN IM DARM? DIE DARMFLORA UNTER DER LUPE

Wichtige Helfer in der täglichen Verdauung vorgestellt

Als ich vor einigen Wochen davon hörte, dass etwa 10 Billionen Bakterien auf nur 1 Gramm Scheiße zu finden sind, stockte mir sprichwörtlich der Atem. Nicht vor Ekel, sondern vor Neugierde.

 

Dass der Darm nicht nur ein durchlaufender Posten ist, den wir über Mund/Maul, Speiseröhre und Magen mit Lebens-/Futtermittel und Flüssigkeiten versorgen, ist schon längst bekannt. Und doch ist schnell in Vergessenheit geraten, dass er tagtäglich Höchstleistungen erbringt und dafür nur wenig Dank erntet. Stattdessen bekommt er dies und jenes, was ihm so gar nicht passt und sein Milieu verschiebt. Er kann darauf reagieren und das Erbrechen herbeiführen oder aber sich beleidigt verstopft zurückziehen oder mit herausschießendem Durchfall seinen Frust ablassen. In den wenigsten Fällen reagiert der Mensch jedoch vernünftig. Statt sich ursächliche Gedanken zu machen, warum diese Symptome hervortreten, wird die Verstopfung mit Hilfsmittelchen gelöst und der Durchfall unterbunden. Und wenn es dem Patienten bessergeht, das Erbrechen vergessen scheint, wird wieder genau das gleiche heruntergeschlungen, wie zuvor. Klingt komisch oder? Ist aber so. Zeit den Darm mal unter die Lupe zu nehmen und sein äußerst interessantes Innenleben näher vorzustellen.

 

Die Darmwelt ist eine Blumenwiese

 

Nun ja, damals zählte man die Bakterien zu den Pflanzen, so dass die Darmbakterien zur Darmflora zugeordnet wurden. Heute weiß man, dass es statt Darmflora (Flora intestinalis) eher Darmmikrobiota lauten muss. Er besitzt ein eigenes Ökosystem bestehend aus Bakterien, Archaeen und Eukaryoten. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass auch im Verdauungssystem Krankheitserreger leben, jedoch in einer Symbiose mit dem Rest. Sie sind da, schaden jedoch nicht, solange das gesamte Ökosystem gesund ist, also das Darmmilieu ordnungsgemäß funktioniert. Ist das Gleichgewicht der Darmflora gestört, wird das Lebewesen (Mensch oder Tier) zum Patienten. Diese kleine eigene Welt im Darm entsteht bei jedem Lebewesen bereits mit seiner Entstehung und wächst über die Lebensjahre zu einer sehr großen, beeindruckenden Bevölkerung heran. Beim Menschen kann die Mikrobiota bis zu 2 kg schwer sein.

 

Was bedeutet eine solche Vielzahl im Klartext? Sie sind in uns Lebewesen deutlich in der Überzahl vorhanden und toppen in ihrer Menge sogar vorhandene Körperzellen. Und diese Mikrobenwelt hat es in sich. Sie sind nämlich perfekt ausgestattet auf alles was da kommt entsprechend einzugehen. Viele Mikroorganismen finden sich sogar bereits vor der Darmwand, von wo aus sie ähnlich wie bei einer Grenzkontrolle Freunde durchlassen und Feinde abwehren. Man könnte sagen, dass in der Darmschleimhaut ein wahres Trainingscenter existiert, in der Bakterien neue Abwehrstrategien gegen Eindringlinge erlernen. Was passieren kann, wenn Feinde doch hindurch kommen, habe ich eingangs versucht zu erwähnen: Es können sich verschiedene Symptome zeigen.

 

Manchmal bemerkt man vom Krieg im Darmmilieu jedoch auch erstmal nichts. Vielleicht nur ein leichtes Bauchgrummeln oder einen miefigen Pups. Das kann zwar lästig sein, aber lässt viele dennoch nicht weiter nachdenken über das was da vor sich geht. Weil man sich das anhand eines Beispiels meist leichter vorstellen kann: Bello Pinscher bekommt „feinstes“ Trockenfutter aus dem Discounter, seit vielen Jahren. Er sorgt allabendlich mit miefigen Flatulenzen für schlechte Luft beim Fernsehprogramm. Sein Kot ist fest. Er braucht zeitweise mehrere Anläufe sich zu erleichtern. Er trinkt normale Mengen. Natürlich wird er regelmäßig entwurmt und auch die Impfungen sind aktuell, da man oft ins benachbarte Ausland fährt. Was passiert hier also?

 

Der Darm bekommt durch das Trockenfutter und seine Bestandteile (u.a. Fleisch, Getreide, Gemüse, Zucker etc.) täglich mehrfachen Input. Dieser Input ist soweit durch Speichel und Magensäure vorbereitet. Trotzdem bleibt genug zu tun, die Nahrung aufzuschlüsseln. Dafür sind positive Darmbakterien da. Ihre Anzahl hängt jedoch von einer gesunden Ernährung und Konstitution ab. Das bedeutet mit zunehmendem Alter des Jungtieres wachsen auch erst seine Darmbewohner zu stattlicher Anzahl heran. Und das bestenfalls ohne negative Störungen. Sein Organismus ist auf eine bestmögliche Versorgung ausgelegt und würde es die geben, wären vermutlich zig Millionen Bakterien rundum glücklich. Für den Hund bedeutet es streng genommen eine Ernährung, die jedenfalls nicht trocken ist. Aber er passt sich an. Seine Darmflora auch. Soweit sie kann. Doch das ungünstige Milieu das darüber entsteht drängt positive Darmbakterien zurück. Sie sterben ab. Negative Vertreter vermehren sich. Gase können sich bilden (Clostridien). Ein miefig-pupsendes Geschehen wird in Gang gesetzt. Als weiterer Input regelmäßige Wurmkuren, damit der Schatz nicht krank wird. Volle Ladung für den Darm, der das zusammen mit Leber und Niere irgendwie verarbeitet bekommen muss. Zusammengefasst hat alles, was oben durchs Maul in Bello gelangt also Auswirkungen auf die Darmflora.

 

Die Laboranalyse

 

Während im Humanbereich einige Labore die Wichtigkeit der Stuhlanalyse erkannt haben und in etwas Scheiße nach positiven und negativen Bakterien suchen, um darüber etwas über die Darmflora sagen zu können, ignorieren viele veterinärmedizinische Labore dieses Ökosystem fast schon kategorisch. Im nettesten Fall erfährt man noch ein „es ist Darmflora vorhanden“. Diese Aussage ist jedoch relativ nichtssagend. Wir erfahren nämlich nicht, welche Darmbewohner genau in der ungünstigen Überzahl oder schon fast nicht mehr vorhanden sind.

Warum sollte man das wissen wollen? Weil bei vielen sogenannten Futtermittelallergien und chronischen Verdauungsstörungen, sowie auch bei einigen Hauterkrankungen die Ursache im Darm liegt. Wären dort nämlich genügend Bifido, Enterokokken und Escherichia coli vorhanden, wären die Candida nicht außer Rand und Band geraten und würden mit den Clostridien nach jeder Futteraufnahme schöne Symptome hervorzaubern.

 

Eine solch genaue Laboranalyse macht also durchaus zeitweise Sinn. Und bevor man vorsorglich mal eben mit einer chemischen Wurmkur sämtliche Darmbakterien in die Verzweiflung treibt und in die Knie zwingt, sollte man per Sammelprobe am besten den aktuellen Status von Parasiten checken lassen. Ist nix da, muss auch nix rein!

 

Kaputte Darmflora – und nun?

 

Selbstverständlich gibt es mehrere Wege das Darmmilieu wiederaufzubauen. Dazu gibt es sogenannte Probiotika, die oral zugeführt sich bestenfalls auf der Darmflora wieder „anpflanzen“ und gedeihen. Allerdings muss man hier wissen, dass nicht alles oral eingenommene auch „unten“ in der gleichen Form landet. Manches kommt bis dorthin gar nicht. Und wenn doch ist die Frage, ob das Umfeld schon so gut ist, dass es dort dauerhaft verweilen mag. Sinnig ist deshalb erst einmal den Darm aufzuräumen und damit sein eigenes Potential zu unterstützen, sich selbst zu regenerieren. Wer aufmerksam gelesen hat, kann nun erahnen, dass Antibiotika definitiv die falschen Therapiemittel sind, den Darm zu reinigen.

 

In meiner Praxis schätze ich für solche Putzjobs die reine Kraft der Huminsäuren. Sie dringen selbst in tiefe Schichten ein und kümmern sich um das, was dort nicht hingehört oder aber dort in der negativen Überzahl ist. Es wird aus dem Darm heraustransportiert, so dass wieder ein gesundes Ökosystem entstehen kann, in dem sich die positiven Darmbakterien wieder ansiedeln können. Das kann man natürlich parallel zur Reinigungskur unterstützen, muss jedoch zwingend darauf achten einen ausreichend zeitlichen Abstand zur Gabe der Huminsäure zu haben. Sonst war alles „für den Arsch“.

 

Tiergerechte Fütterung

 

Das Darmmilieu muss passen. Denn nur, wenn sich die Bakterien wohl fühlen, vermehren sie sich und bleiben. Ergo: Kurzzeitige Darmkuren sind sprichwörtlich für den Arsch, wenn zum Beispiel weiter suboptimales Futter zugeführt wird. Im Falle des Pinschers Bello wäre es natürlich ausgesprochen wünschenswert, wenn der Napfinhalt eine radikale Änderung erfahren würde. Adieu Trocken! Willkommen tiergerechte Kost. Das kann hochwertiges Nassfutter sein, in dem weder Kartoffeln, noch Reis und auch kein Getreide sein sollten. Man könnte jedoch die Nahrung auch so anpassen, wie sie den Vorfahren des Hundes, dem Wolf, am ähnlichsten wäre. Das sogenannte BARF. Über so eine tiergerechte, gesunde Fütterung freuen sich nicht nur die Darmmikroben, sondern auch die gesamte Gesundheit des Hundes. Vorausgesetzt natürlich es schleichen sich keine Fehlerteufel ein, wie das dank falsch interpretierter Futteretiketten oder aber fehlerhafter Rohfütterung passieren kann. Empfehlenswert ist es sich für den Beginn dieser Umstellung eine(n) Fachfrau/mann zur Seite zu nehmen. Bon appetit.

Sonja Tschöpe – Tierheilpraktikerin

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